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Traditionen, Reformen
Memphis, Tennessee, hat nicht nur eine prunkvolle Synagoge in Rot und Gold, in der man nur
darauf wartet, dass Elvis Presley auftritt, sondern auch eine starke Frauengruppe, die spirituell den Ton angibt. Wobei sich »spirituell« hauptsächlich auf das Halten des Schabbats unter absoluter Vermeidung des
Gebrauchs von Küchenherden, Telefonen und Autos bezieht. Aber dafür macht bei den berühmten Einladungen zum Schabbatmahl, bei denen sich die Frauen in kulinarischer Hinsicht gegenseitig zu übertreffen suchen, der
neueste Klatsch die Runde. Und für Klatsch sorgt Batsheva, eine junge Witwe, die ausgerechnet an einem Schabbat mit ihrer kleinen Tochter in das feste Gefüge aus Heuchelei und Hähnchen mit Mandeln einzieht.
Mißtrauen begegnet der Konvertitin mit den langen blonden Haaren, die alle Gebete singen kann, in die Synagoge geht und - horibile dictu - auch in die den verheirateten Frauen vorbehaltene Mikwe! Batsheva, die
Malerin, gibt den Kindern Kunstunterricht und lernt mit dem Sohn des Rabbis. Sie gewinnt das Vertrauen der High-School- Mädchen, denen sie andeutet, dass es neben dem Besuch eines orthodoxen Colleges und nachher dem
Suchen nach einem passenden Ehemann noch andere Werte auf Gottes weiter Welt gibt. kann das gut gehen? Am Ende des Romans bricht das strenge Gefüge der orthodoxen Gemeinde etwas auf. Wer verläßt Memphis? Wer macht
sich Gedanken über eine Änderung? Und wo bleibt Batsheva? Der jungen Autorin, Tova Mirvis, ist mit beträchtlichem Insiderwissen ein wunderbarer Roman über eine jüdische Gemeinschaft gelungen, in der das Loslösen
von alten Traditionen und das Annehmen von Neuerungen sehr, sehr schmerzhaft sein kann.
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