GayPride

Am Sonntag, dem 7. Juli, war Yachad Köln/NRW nun also doch auf dem CSD vertreten. Das dies nicht selbstverständlich war, ergab sich aus einigen Erlebnissen, die Einige von uns vor dem CSD verkraften mußten. Laute Buhrufe im Schwulen- und Lesbenzentrum SCHULZ beim Grand Prix, wenn es um Israel ging, eine propalästinensisch interpretierte Ausstellung in einem linken Laden und Unmut, Sorge und viele andere Gefühle und Gedanken nach dem Möllemann-Ausfall gegenüber Michel Friedman.
Niemand von uns konnte sich vorstellen in diesem Jahr als jüdische Gruppe auf dem CSD mitzugehen. Aaron teilte dies dem LSVD mit, bei dem wir seit einigen Monaten Mitglied

sind, ich erzählte zeitgleich in meiner Lesung von der Entscheidung der Yachadlerinnen und Yachadler, dieses Jahr schlicht und ergreifend ausfallen zu lassen.
Die Bestürzung im Raum, die engagierten Nachfragen und der Protest von Lesben und Schwulen, die nicht hinnehmen und akzeptieren wollten, daß wir in diesem Jahr nicht dabeisein sollen, waren echt überwältigend.
Kurz und gut setzten sich viele Lesben und Schwule - unter anderem auch Volker Beck nach dem Motto JETZT ERST RECHT - dafür ein, daß wir mit unseren Plakaten auf dem LSVD-Wagen als offensichtlich jüdische Gruppe mitfahren sollten.
Und genau so war es dann auch und: Es war echt toll. Es kamen tatsächlich 6 Jungs und eine Frau zum Wagen, und ein Rabbiner aus den Staaten gesellte sich auch noch zu uns. Die Hälfte der Leute auf dem LSVD - Wagen waren Juden. Es war wirklich großartig. Die Reaktionen aus dem Publikum waren positiv - es gab auch rührende Szenen - zum Beispiel eine etwa 60 jährige Frau, die ihrem männlichen Begleiter sehr aufgeregt unseren Wagen zeigte und dann ihren Davidstern unter der Bluse hervorzauberte um uns damit begeistert zuzujubeln.
Schließlich wurde »unser« Wagen auch einmal kurz in der Tages- schau gezeigt und zweimal im WDR - die Jungs sind richtig gut zu erkennen. Die Aufkleber der israelischen Botschaft mit der Aufschrift »Frieden« in den Sprachen Ivrit, Arabisch und Englisch waren heiß begehrt und fast alle haben sich die Aufkleber auch sofort an T- Shirts und Taschen geklebt.
Es war so gut und wir alle so begeistert, daß wir im nächsten Jahr einen eigenen Wagen planen. Richtig toll geschmückt, mit guten Spruchbändern und natürlich toller Musik. Dann laden wir Euch ein, bei uns dabeizusein.
Ich hoffe mal, daß die Wahlen im September gut ausgehen (nix CDU und Stoiber und kotz...) und auch die sonstige beunruhigende Stimmung und Stimmungsmache im Moment sich bis dahin erledigt hat und wir dieses Projekt mit so viel Begeisterung tatsächlich umsetzten können wie wir es im Moment gefühlsmäßig wollen.
Wir hoffen, Ihr alle habt auch einen so tollen CSD und ich freu mich, von Euch zu lesen.
Adriana Yachad Köln/NRW