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Berlin Tunten, Transen, Tropenhitze und Tanzvergnügen: Mit einer schrillen Party hat Berlin am Samstag, dem
23. 6., den Christopher Street Day gefeiert. Mehrere hunderttausend Menschen säumten die Straßen, als die traditionelle Parade der Schwulen und Lesben mit mehr als 80 grell geschmückten Wagen vom Kurfürsten- damm
zur Siegessäule zog. Dort fand am frühen Abend die Abschlusskundgebung mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit statt, der sich im vergangenen Jahr selbst öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt
hatte. Die Parade stand diesmal unter dem Motto »Wir machen Berlin anders - weltoffen, tolerant, queer«. Prominentester Teilnehmer war Bundespräsident Wolfgang Thierse, der im Strohhut auf einem der Wagen
mitfuhr und sich vor laufender Kamera den Bart kraulen ließ. Auf ein Kostüm verzichtete der zweithöchste Mann im Staate jedoch: »Ich glaube auch nicht, dass irgendjemand erwartet, dass ausgerechnet der Thierse sich
verkleidet und der allgemeinen Fröhlichkeitskultur und dem Zwang zum Gag unterwirft«, sagte er. Thierse, der vergangenes Jahr als bislang ranghöchster Politiker Deutschlands auf der Abschlusskundgebung des
Christopher Street Day (CSD) gesprochen hatte, bezeichnete eine völlige Gleichstellung der Homosexuellen-Ehe als verfrüht. Die Schwulen- und Lesbenverbände mahnte er zu mehr Geduld: »Ich bitte um Verständnis, dass
man zunächst einmal der Mehrheitsgesellschaft Zeit lässt, sich an den Fortschritt zu gewöhnen, den die rot-grüne Koalition mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz erreicht hat«, sagte er der »Berliner Zeitung«.
Weitergehende Forderungen seien unrealistisch. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth wurde mit einem der Preise für Zivilcourage ausgezeichnet. Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) würdigte die
CDU-Politikerin in ihrer Laudatio für deren Kampfesmut. Süssmuth habe immer quer gedacht und gehandelt und sich für Toleranz eingesetzt. »Sie haben sich diesen Preis durch schwere tägliche Arbeit verdient«, sagte
Künast. Süssmuth warnte, in der komplizierter werdenden Welt würden wieder Sündenböcke gesucht, die man ausgrenzen könne. Der Regierende Bürgermeister Wowereit warb für Toleranz und Weltoffenheit.
»Diskriminierung und Ausgrenzung dürfen in unserer Stadt keinen Platz haben, nicht wegen der Herkunft, nicht wegen der Hautfarbe, nicht wegen Glaubensfragen und auch nicht wegen der sexuellen Disposition>,
erklärte der SPD-Politiker, der die Partygäste erneut mit einem ungewöhnlichen Bekenntnis überraschte: »Berlin ist pleite«, hieß es auf der Rückseite seines schwarzen T-Shirts, und auf der Vorderseite: »Ich bin
schuld«. Die Polizei schätzte die Zahl der Teilnehmer an der Abschlusskundgebung auf bis zu 300.000, die Veranstalter gingen von mehr als einer halben Million Menschen aus. Die Parade erinnert an einen Aufstand
Homosexueller vom 27. Juni 1969 in New York: Damals setzte sich die Szene in der Christopher Street nach einer Razzia in einer Bar erstmals gegen alltägliche gewaltsame Übergriffe und gegen staatliche Willkür und
Diskriminierung öffentlich zur Wehr.
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