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Beziehung ein Ende, und C. W. erkrankte auf der Rückreise schwer an Ruhr. Weimarer Republik
Beinahe folgerichtig war für C. W. Berlin die Stadt, die eine magische Anziehung auf sie ausübte. Sie wählte Berlin, um ihr Studium dort abzuschließen, aber da waren auch die Verlockungen der lesbischen Clubs
und Bars, die Welt der Künstlerinnen und Schauspielerinnen, die sie in das Eldorado der »Golden Twenties« nach Berlin führten. Sie kam in Kontakt mit Walter Benjamin, dessen Frau Dora, mit Franz Hessel und seiner
Frau Helen und freundete sich bald mit ihnen an. Besonders mit Walter Benjamin verband sie eine jahrelange intensive Freundschaft. Sie war fasziniert von seinem sprühenden Geist und fand in ihm einen aufmerksamen
Gesprächspartner in Liebesangelegenheiten. Sie lebte in Berlin mit ihrer Freundin Katherine, litt aber lange unter der Trennung von Lisa. Nach einem längeren Kuraufenthalt erholte sie
sich wieder und schloss ihr Studium erfolgreich ab. Ihre erste Stelle als Ärztin erhielt sie im Virchow-Krankenhaus in Berlin. Zum erstenmal war sie finanziell unabhängig und konnte eine eigene Wohnung mieten.
C. W. verkehrte in Künstlerkreisen, lernte einige Bauhaus- Künstler und die Maler der Berliner Sezession kennen (u.a. Chagall, Marc, Kandinsky). Auch die Poesie und die Philosophie ließen
sie nicht los. Für sie bildeten Kunst und Wissenschaft immer eine untrennbare Einheit. Anfangs fühlte sie sich den Anforderungen, die der Beruf als Ärztin mit sich brachte, kaum gewachsen. Sie fand aber bald in der
Ärztin Dr. Alice Vollnhals eine gute Supervisorin. Sie war in einer Schwangerschaftsfürsorgestelle der Allgemeinen Krankenkassen angestellt und betreute vorwiegend Patientinnen aus dem Berliner Arbeiterbezirk
Neukölln. Dort fühlte sie sich wohl. In ihrer Beziehung zu Katherine begann es jedoch zu kriseln und sie litt unter einer neurotischen Angst. Sie konnte nicht mehr ohne Begleitung aus dem
Haus gehen und war auf die Hilfe ihrer Freundin angewiesen. Erste antisemitische Ausschreitungen und politische Aktivitäten Ihre Ängste hatten sicherlich auch mit den
wachsenden antisemitischen Ausschreitungen der Nationalsozialisten zu tun, die sich Ende der 20er/Anfang der 30er Jahre häuften. Auch wenn sie sich anfangs davon nicht sonderlich beeindrucken ließ und weiterhin an
den kulturellen Darbietungen teilnahm, so wuchs doch die Gefahr für sie und ihre jüdischen KollegInnen. Durch den Einfluss ihrer Kollegin Mina Flake begann C.W., sich zu politisieren, und
schloss sich dem Verein sozialistischer Ärzte an. Sie war am Aufbau der ersten Klinik für Schwangerschaftsverhütung beteiligt und bildete sich in Sexualwissenschaft und Psychotherapie weiter. Sie lernte den Pionier
der Sexualwissenschaft, den jüdischen Arzt Dr. Magnus Hirschfeld kennen, der in Berlin das wissenschaftlich-humanitäre Komitee gegründet und der ein sexualwissenschaftliches Institut aufgebaut hatte. Die
umfangreiche Bibliothek des Instituts wurde im Mai 1933 von den Nazis niedergebrannt, Magnus Hirschfeld starb im französischen Exil. C. W. machte sich später im englischen Exil mit ihren Studien zur
Sexualwissenschaft selbst einen Namen. In Berlin verschlechterte sich das polit. Klima zusehends. C. W. erlebte die Ausgrenzung der jüdischen Ärzteschaft am eigenen Leib. Zuerst wurde sie
aus der Schwangerenfürsorge in eine elektro-physikalische Abteilung versetzt und verlor schließlich ihre Stelle im Krankenhaus. Flucht aus Berlin Im Herbst 1932 trennte
sich zuerst ihre Freundin Kathrin. Deren Vater hatte ihr dazu geraten, weil sie sich selbst gefährde, wenn sie mit einer Jüdin zusammenwohne. Auf diesen Schock folgte kurz danach ihre Entlassung und im Mai 1933 eine
Hausdurchsuchung wegen angeblicher Spionage. Einer Verhaftung durch die Gestapo in der U-Bahn ist sie nur knapp entkommen, weil ein Bahnbeamter sie als Ärztin seiner Frau erkannte und in letzter Minute rettete.
Daraufhin leitete sie sofort ihre Abreise ein, besorgte sich einen Paß, verabschiedete sich von FreundInnen und KollegInnen und bestieg am 26. Mai 1933 am Bahnhof Zoo in Berlin den Zug in Richtung Paris, ihrer
ersten Station im Exil C. W. teilt das Schicksal der jüdischen Emigranten, eine erzwungene Flucht aus einer vertrauten und liebgewordenen Umgebung, den plötzlichen Abbruch von Arbeits-
und Lebenszusammenhängen, den Abschied von Familie, Freunden und Kollegen und meist auch den Verlust der Muttersprache. Dies war besonders schmerzlich für SchriftstellerInnen und JournalistInnen, deren Ausdrucksform
die deutsche Sprache war. Pariser Exil Sie kam wohlbehalten in Paris an und traf dort auf andere Emigranten, FreundInnen aus Berlin, wie z. B. Helen Hessel. Sie lebte eine
Zeit lang bei ihr und ihrem Sohn. Da sie im Ausland nicht als Ärztin praktizieren durfte, verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt zunächst mit Handanalysen. Die Methode der Handanalyse (Chirologie) hatte sie in
Berlin gelernt und fand nun in Paris KlientInnen, u.a. bei wohlhabenden französischen Aristokraten. Sie kam in Kontakt mit den Surrealisten und entwickelte eine eigene wissenschaftliche Methode der Handdiagnostik.
Doch auch in Paris blieb sie nicht verschont von antisemitischen Umtrieben und so reiste sie im Herbst 1936 mit Unterstützung von Aldous und Maria Huxley weiter nach London.
Londoner Exil In London setzte sie ihre Handstudien fort. Eine ihrer berühmtesten Klientinnen war die Schriftstellerin Virginia Woolf. Die Begegnung muss ganz außergewöhnlich
gewesen sein, sie hinterlies bei beiden Frauen einen tiefen Eindruck. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die geprägt waren von Einsamkeit und beruflicher Unsicherheit, gewann sie mehr und
mehr Boden unter den Füßen, erhielt 1937 die unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung für England und die Zulassung als Psychotherapeutin. Die Sexualwissenschaftlerin Erst Ende der
60er Jahre begann sie mit ihren sexualwissenschaftlichen Forschungen und veröffentlichte 1971 »Love between women«, das Buch erschien 1973 in deutsch mit dem Titel »Die Psychologie der lesbischen Liebe«. Dies war
eine der ersten ernst zu nehmenden deutschsprachigen Studien über lesbische Liebe. Da sie von der Medizin her kam, war ihr Ansatz sehr an biologischen Determinanten und an dem Einfluss der Hormone bei der Entstehung
der sexuellen Orientierung ausgerichtet. Ihre Thesen wurden in der Lesbenbewegung der 70er Jahre sehr kontrovers diskutiert, denn wir waren der Überzeugung, dass das soziale Umfeld und die geschlechtsspezifische
Sozialisation mindestens ebenso wichtig waren, wie die Biologie. Obwohl sie selbst ausschließlich sexuelle
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