Auch München verfügt nun über eine wichtige Institution, die es in anderen deutschen Großstädten bereits gibt. Als Vertreter Yachads konnte ich so noch Mitte Juli der Eröffnung von Münchens erster Beratungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen beiwohnen. Engagierte Mitarbeiter betreuen ein sehr schönes Büro im Herzen des allseits beliebten Glockenbachviertels, dort, wo sehr viele Lesben und Schwule leben und die meisten Lokale und Einrichtungen der Community angesiedelt sind. Zahlreiche Vertreter anderer Lesben- und Schwulengruppen und Stadtpolitiker genossen das Buffet und die lockere Atmosphäre.

Das zunächst schöne Wetter und zahlreiche Sommer- und Strassenfeste in der Stadt bereiteten eine mehr als angenehme Zeit. Leider mußten wir aufgrund der starken Regenfälle der vergangenen Wochen und auch wegen der zu erwartenden geringen Beteiligung, unser alljährliches Sommerfest kurzfristig absagen...

Natürlich war Yachad München auch wieder beim Sommerfest der Grünen-Fraktion im Bayerischen Landtag vertreten. Karlheinz und ich folgten, wie zahlreiche andere Vertreter lesbisch-schwuler Gruppen, der Einladung der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum lesbisch-schwulen Sommerfest in den Bayerischen Landtag (Maximillianeum). In diesem Jahr hatte man den ehrwürdigen »Steinernen Saal« als Veranstaltungslocation gewählt, der einen grandiosen Ausblick über die Stadt bietet. Biologisches Essen, originelle Unterhaltung in Form eines schwulen A-Capella-Chors und der Dancecomedy »Strictly borderline« und garantiert redenfrei... Das üppige Buffet war in diesem Jahr einer permanenten Darreichung von Fingerfood gewichen, der A-Capella-Chor sang viel zu lang, und die Dancecomedy bekamen wir nur am Rande mit, denn »YMCA« tönte ein wenig nach Blech und außerdem haben wir sowieso nichts gesehen: der Leute wegen. Den kulinarischen Hauptgang haben wir gar nicht mehr mitbekommen. Ich mußte nach Hause, mein Hund wartete schon 3 Stunden. Dennoch war es ein nettes Fest, wie in jedem Jahr, und wir kommen gerne wieder.

Das Forum Homosexualität und Geschichte München, will den »spannenden Prozeß von der Bürgerrechtsbewegung zu einer sich immer stärker auffächernden Szene aufgreifen« und die Aktivitäten der Lesben und Schwulen Münchens der letzten hundert Jahre in einer Ausstellung zeigen. Natürlich bedeutet dies eine Gelegenheit, Yachad zu präsentieren. Immerhin kann Yachad München inzwischen auf 6 Jahre Existenz zurückblicken, in denen die Gruppe die hiesige Szene bereichert. In der Ausstellung soll jedoch die gesamte Geschichte Yachads, seit Anbeginn 1995 in Köln, dokumentiert werden. Immerhin existieren wir in diesem Land als Yachad-Gruppe schon sieben Jahre und es gab (vor langer Zeit) Gruppen in Berlin, Frankfurt und Hamburg. Einige Mitglieder dieser Gruppen sind immer noch Mitglieder von Yachad Deutschland e.V. und vielleicht gibt es da jemand, der/die Interesse hat, an der Ausstellung zu Yachad mitzumachen. Wir haben bereits eine kleine Sammlung an bisher veröffentlichten Artikeln, Berichten, Fotos (von Festivitäten, Partys, CSDs) etc. zu Yachad zusammengetragen. Wer darüber hinaus Material zur Verfügung stellen könnte, möchte sich bitte an die Redaktion wenden: info@yachad-deutschland.de. Im übrigen ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Ziel von uns, in drei Jahren, zum zehnjährigen Jubiläum Yachads, eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin zu erarbeiten, zu organisieren und zu präsentieren. Das Forum Homosexualität und Geschichte München hat sich übrigens auch sehr dafür engagiert, dass im Mai diesen Jahres der erste Abschnitt der neuen Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Dachau eröffnet konnte. Die Opfergruppe der Homosexuellen wird dabei zum ersten Mal gleichwertig neben den anderen Gruppen verfolgter Menschen genannt und dokumentiert.

Auch die - korrigierte - Wehrmachtsausstellung wird im Herbst in München präsentiert und damit ganz bestimmt wieder für ausreichen Gesprächsstoff sorgen. Als die Urfassung der Ausstellung 1997 im Rathaus der Stadt gezeigt wurde, diskutierten und stritten täglich alte und neue Nazis mit Passanten auf dem Marienplatz. Ich wurde, zusammen mit Mark Schwartz, Zeuge, wie ein offensichtlich rechts gerichteter Jugendlicher Menschen anpöbelte, die sich in die Schlange vor der Ausstellung eingereiht hatten. Das Wachpersonal verwies ihn des Platzes. Die Organisationen der rechten Bewegung hatten für diesen Tag zu einer Großdemonstration in München aufgerufen. Allerdings hatten sie nicht mit dem Einsatz von rund 5000 Bürgern und Bürgerinnen der Stadt gerechnet, die durch ihre Anwesenheit und dargestellte Empörung dafür sorgten, dass der Zug der Nazis ins Stocken geriet und unter tosendem Beifall und Nazis- raus-Chören schließlich aufgelöst wurde. Auch diesmal rufen rechte Lager für den 12. Oktober zur Demonstration gegen die Wehrmachtsausstellung in München auf. Das Bündnis gegen Rassismus ruft zusammen mit 30 anderen Gruppen - darunter selbstverständlich auch Yachad Deutschland e.V. - zur Gegendemonstration auf. Klar, dass wir uns daran beteiligen - müssen! Zunächst jedoch richtet sich der Appell an die kommunalen Politiker. Man hofft auf ein generelles Verbot der Nazidemo. Anläßlich der Sicherheitskonferenz in München und der vergangenen (nicht abgehaltenen) »Chaostage« war es möglich, durch umgehende Verbote Veranstaltungen etc. zu verbieten. Somit müßte es auch möglich sein, eine Nazidemonstration zu verbieten. Diese rechten Typen können sich eigentlich nicht auf die Meinungsfreiheit berufen, denn das, was sie verbreiten und vertreten, ist keine Meinung, sondern pure Menschenverachtung! Wir werden berichten, was sich diesmal ereignet hat...

Ansonsten hoffen und beten wir, dass Edmund Stoiber auf keinen Fall Bundeskanzler wird. Denn abgesehen von der fremdenfeindlichen, heuchlerisch-konservativen Politik seiner Partei, die sich sicherlich ab dem Wahlsieg verhärtet, würde sich ganz bestimmt auch für Lesben und Schwule das gesellschaftliche Klima nicht gerade verbessern. Edmund Stoiber als Bundeskanzler? Ja, wo samma denn?

Fred Fischer

Die nächsten Treffen der Münchner Yachad-Gruppe:

21.09.2002/18.00 Uhr - Wir wollen das Treffen zugleich mit  einer Sukkotfeier gestalten. Nähere Angaben dazu folgen rechtzeitig.

12.10.2002/18.00 Uhr - Monatstreffen bei Fred