Bangkok. Mit einem neuen Pilotprojekt will die thailändische Regierung Homosexualität unter Strafgefangenen bekämpfen. In einem geplanten Versuch sollen männliche und weibliche Insassen einer Haftanstalt in der Provinz Nakhon Sawan berufliche Weiterbildungsmaßnahmen gemeinsam verbringen, wie das Justizministerium in Bangkok mitteilte. Verläuft das Projekt erfolgreich, soll es landesweit Schule machen. Zu Körperkontakten
zwischen den Geschlechtern soll es allerdings nicht kommen. »Die Aufseher werden den Versuch sehr genau beobachten, danach kommen die Gefangenen wieder in ihre Abteilungen«, erklärte der stellvertretende Generaldirektor der Justizbehörde Nathee Chitsawang. Homosexualität ist nach Einschätzung der Regierung einer der Hauptgründe für Spannungen in den chronisch überbelegten Gefängnissen Thailands.

London. Das britische Oberhaus hat gegen Pläne von Premierminister Tony Blair gestimmt, auch homosexuellen Paaren die Adoption von Kindern zu ermöglichen. Eine konservative Mehrheit verurteilte die Gesetzesinitiative der Regierung als »sozial unverantwortlich«, berichtete die BBC. Blair erklärte, dass er die Reformpläne für eine liberalere Adoptionsgesetzgebung erneut einbringen wolle. Die Regierung hatte gehofft, durch eine Liberalisierung vor allem auch Familien für schwer vermittelbare Kinder wie ältere Jungen und dunkelhäutigeKinder zu finden. »Es gibt 50.000 Kinder in Heimen, und 5.000 warten zurzeit darauf, Adoptionseltern zu finden«, sagte Lord Waheed, der sich selbst zu seiner Homosexualität bekennt. Doch die konservativen Mitglieder des Oberhauses vertraten die Ansicht, dass sich diese Kinder nicht noch ausgegrenzter fühlen sollten. Die Regierungsinitiative werde dazu benutzt, »politische Korrektheit vorzuschieben und den Status der Ehe herabzusetzen«.

Berlin. Mit dem am 16.Oktober unterzeichneten Koalitionsvertrag wird nach Einschätzung des Lesben- und Schwulenverbandes der rot-grüne Reformkurs zum Ausbau der Bürgerrechte von Homosexuellen fortgeschrieben. Die Ankündigung, den rechtlichen Schutz für Menschen in nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu verbessern, sei ein »wichtiges gesellschaftspolitisches Signal«, erklärte Verbands-Sprecher Manfred Bruns in Berlin. Ausdrücklich begrüßte der Verband das Vorhaben, in Berlin an zentraler Stelle einen »Gedenkort« für die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus zu errichten. Als positiv sei auch das Vorhaben zu werten, ein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz von Minderheiten auf den Weg zu bringen, hieß es weiter. Unbefriedigend sei allerdings, dass sich im Koalitionsvertrag keine Aussagen zum Abbau der Diskriminierung von gleichgeschlechtlichen Familien mit Kindern finden.

New York. Steven Spielberg (55), Erfolgsregisseur und -produzent, ist für sein Engagement für Menschenrechte geehrt worden. Rockstar Melissa Etheridge (41) überreichte ihm den Preis für Gleichstellungsrechte der US-Organisation Human Rights Campaign (HRC) in Washington. Sie nannte Spielberg (»Jurassic Park«, »Schindlers Liste«) »einen Mann mit Herz und Seele, wie es ihn selten gibt - einen der künstlerischsten und uneigennützigsten Menschen in Amerika«. Die HRC setzt sich für die Rechte Schwuler, Lesben und Transsexueller ein, und zählt nach eigenen Angaben 450.000 Mitglieder. In seiner Dankesrede erzählte Spielberg, wie ihn der Ausschluss von Homosexuellen bei den amerikanischen Pfadfindern 2000 zum Austritt und Abbruch seiner Beziehungen zu dem Verein gezwungen hatte: »Ich muss sagen, dass die Entscheidung, bei den Pfadfindern auszutreten, eines meiner schmerzlichsten Erlebnisse war. Aber sie waren im Unrecht und ich war im Recht. Wir alle sind im Recht, die wir Menschenrechte unterstützen», sagte Spielberg laut «People«.

Brüssel. Die geplante Gleichstellung von homosexuellen Paaren in Belgien soll laut Medienberichten in zwei getrennten Gesetzen geregelt werden. Die Regierungsfraktionen von Liberalen, Sozialisten und Grünen hätten sich darauf geeinigt, in einem Gesetz die eigentliche Gleichstellung von homosexuellen Paare zu regeln und in einem zweiten Gesetz sämtliche mit möglichen Kindern zusammenhängende Fragen. Beide Gesetze sollten aber noch vor dem Ende der Legislaturperiode im kommenden Sommer beschlossen werden. Die Entwürfe werden derzeit im belgischen Senat beraten.

Rom. Die erste italienische Homosexuellen-Ehe soll am 21.Oktober in der französischen Botschaft in Rom geschlossen werden. Wie
die italienische Tageszeitung »Corriere della Sera« berichtete, wird der französische Konsul die beiden Männer trauen. Diese Ehe nach französischem Recht ist demnach auch in Italien rechtsgültig. Bisher waren alle Versuche, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Italien einzuführen, am Widerstand der katholischen Kirche gescheitert. Der katholische Priester Franco Barbero löste im Jahr 2000 einen Skandal aus, als er eingestand, illegal zahlreiche homosexuelle Paare getraut zu haben.

Berlin. Derzeit sieht »Lubunya« noch etwas trist aus. Die erste Zeitschrift in Deutschland für »Lesben und Schwule aus der Türkei« erscheint als kopiertes Heft, die schwarz-weißen Fotos sind grob gerastert. »Lubunya« heißt auf deutsch «Schwuchtel» und ist schon dadurch für manche Türken eine Provokation. Und das ist auch so gewollt. Schließlich wüssten noch immer viele homosexuelle Muslime nicht, wie sie ihren Alltag bewältigen sollen, ohne in der eigenen Gemeinschaft anzuecken sagt der in Deutschland geborene Herausgeber Koray Günay. Ihnen könne »Lubunya« helfen. Zusammen mit einem Autorenteam von rund 15 Männern und Frauen hat der 28-Jährige seit April jeden Monat eine Ausgabe gestemmt. Geld wird mit »Lubunya« noch nicht verdient. Die Auflage liegt bei 850 Exemplaren, die meisten Abonnenten beziehen »Lubunya« aber per E-Mail, der Anonymität wegen.
Künftig sollen alle Artikel auf deutsch und türkisch erscheinen: »Keine Nacktfotos, keine Kosmetiktipps«, dafür Interviews mit Politikern, Kultur-, Reise- und Szenetipps. Im Mittelpunkt stehe aber
die Aufklärung über Aids, so Günay. Schließlich gebe es in Deutschland viele Migranten, die HIV-positiv sind, ohne es zu wissen. Das hat inzwischen auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland bemerkt, der im September in Berlin ein »Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule« (MILES) eröffnet hat. Zielgruppe seien »lesbisch-schwule Araber, Muslime und deren Angehörige«, sagt Jörg Litwinschuh, Geschäftsführer von MILES. Der Verband bietet Hilfe beim Coming Out, zudem kostenlose Rechtsberatung und Sprachkurse an.
Viele Angehörige von muslimischen Lesben und Schwulen sähen Homosexualität als eine »weiße, westliche Krankheit« an, berichtet Litwinschuh. Die Folge: Eltern schicken ihre homosexuellen Kinder zum Psychiater oder gleich zurück in die Türkei. »Zwangsverheiratungen« gerade bei Lesben oder der Verstoß aus der Familie kommen ebenfalls vor. Auch Günay kennt etliche Geschichten, die so oder ähnlich abliefen und Familien zerbrechen ließen.
Auch außerhalb Deutschlands haben sich homosexuelle Muslime zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. In »Al Fatiha« mit Mitgliedern weltweit treten Lesben, Bisexuelle und Schwule für einen liberaleren Islam ein und wollen Muslimen »Mut machen, ihre Homosexualität zu leben«. Der Gründer von »Al Fatiha«, Faisal Alam, argumentiert, dass viele Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen in der muslimischen Gesellschaft kulturell begründet seien und nicht vom Islam als Religion hergeleitet werden könnten. Nach herrschender Meinung jedoch lehnt der Islam das Ausleben homosexueller Neigungen ab. Danach ist Homosexualität eine »Verletzung göttlichen Rechts« und wird als Unzucht verurteilt. 22 muslimische Staaten weltweit haben gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe gestellt. Im Iran wurden bereits mehrere Tausend Schwule hingerichtet.

Paris. Vor seiner Messerattacke auf den Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe hat der Attentäter nach eigener Aussage Haschisch geraucht und einige Bier getrunken, wie »Le Figaro« aus den Vernehmungsprotokollen des offenbar geistig verwirrten Mannes berichtete. Azedine Berkane hatte den Bürgermeister der französischen Hauptstadt im Rathaus niedergestochen. Der 39-Jährige sagte den Angaben zufolge weiter aus, Delanoe sei in der feiernden Menge auf ihn zugekommen, weil er in ihm ein Mitglied der »Sekte der Homosexuellen« gesehen habe. Er habe dann aus einem Impuls heraus zugestochen. Der Bürgermeister gehöre »satanischen Sekten« an. Er habe geglaubt, es mit dem Teufel zu tun zu haben. Berkane, gegen den die Justiz wegen Mordversuchs ermittelt, befand sich bereits zwei Mal in psychiatrischer Behandlung.
Phil