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Berlin. Derzeit sieht »Lubunya« noch etwas trist aus. Die erste Zeitschrift in Deutschland für »Lesben und Schwule aus der Türkei« erscheint als kopiertes Heft, die schwarz-weißen Fotos sind grob gerastert. »Lubunya« heißt auf deutsch «Schwuchtel» und ist schon dadurch für manche Türken eine Provokation. Und das ist auch so gewollt. Schließlich wüssten noch immer viele homosexuelle Muslime nicht, wie sie ihren Alltag bewältigen sollen, ohne in der eigenen Gemeinschaft anzuecken sagt der in Deutschland geborene Herausgeber Koray Günay. Ihnen könne »Lubunya« helfen. Zusammen mit einem Autorenteam von rund 15 Männern und Frauen hat der 28-Jährige seit April jeden Monat eine Ausgabe gestemmt. Geld wird mit »Lubunya« noch nicht verdient. Die Auflage liegt bei 850 Exemplaren, die meisten Abonnenten beziehen »Lubunya« aber per E-Mail, der Anonymität wegen. Künftig sollen alle Artikel auf deutsch und türkisch erscheinen: »Keine Nacktfotos, keine Kosmetiktipps«, dafür Interviews mit Politikern, Kultur-, Reise- und Szenetipps. Im Mittelpunkt stehe aber die Aufklärung über Aids, so Günay. Schließlich gebe es in Deutschland viele Migranten, die HIV-positiv sind, ohne es zu wissen. Das hat inzwischen auch der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland bemerkt, der im September in Berlin ein »Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule« (MILES) eröffnet hat. Zielgruppe seien »lesbisch-schwule Araber, Muslime und deren Angehörige«, sagt Jörg Litwinschuh, Geschäftsführer von MILES. Der Verband bietet Hilfe beim Coming Out, zudem kostenlose Rechtsberatung und Sprachkurse an. Viele Angehörige von muslimischen Lesben und Schwulen sähen Homosexualität als eine »weiße, westliche Krankheit« an, berichtet Litwinschuh. Die Folge: Eltern schicken ihre homosexuellen Kinder zum Psychiater oder gleich zurück in die Türkei. »Zwangsverheiratungen« gerade bei Lesben oder der Verstoß aus der Familie kommen ebenfalls vor. Auch Günay kennt etliche Geschichten, die so oder ähnlich abliefen und Familien zerbrechen ließen. Auch außerhalb Deutschlands haben sich homosexuelle Muslime zu Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen. In »Al Fatiha« mit Mitgliedern weltweit treten Lesben, Bisexuelle und Schwule für einen liberaleren Islam ein und wollen Muslimen »Mut machen, ihre Homosexualität zu leben«. Der Gründer von »Al Fatiha«, Faisal Alam, argumentiert, dass viele Vorurteile gegenüber Lesben und Schwulen in der muslimischen Gesellschaft kulturell begründet seien und nicht vom Islam als Religion hergeleitet werden könnten. Nach herrschender Meinung jedoch lehnt der Islam das Ausleben homosexueller Neigungen ab. Danach ist Homosexualität eine »Verletzung göttlichen Rechts« und wird als Unzucht verurteilt. 22 muslimische Staaten weltweit haben gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe gestellt. Im Iran wurden bereits mehrere Tausend Schwule hingerichtet.
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