 |
Hinsicht ein Deutscher geblieben. Eigentlich bin ich weder ein Deutscher, noch ein Hebräer, das ist meine Tragödie, außerdem ist es nicht vergnüglich, 94 Jahre alt zu sein, auch wenn ich - in gewissem Sinne - froh bin, schon 94 Jahre alt zu sein, denn so muss ich wenigstens nicht mit ansehen, was noch alles auf uns zukommt.« Dr. Fritz Wolf hat einmal Jura studiert, diesen Beruf jedoch keinen einzigen Tag praktiziert. Das schwere Leben in Israel zwang ihn, wie auch viele andere Jekkes, dazu, in der Landwirtschaft zu arbeiten. In den Tagen, als Ärzte und Anwälte hier keine Arbeit hatten, bauten sie Straßen und reichten sich schwere Eimer mit Steinen zu, begleitet von den höflichen Worten: »Bitteschön, Herr Doktor«, »Dankeschön, Herr Doktor«, wie es in einem berühmten Witz heißt. Die Frustration und die Verzweiflung über das harte Leben brachte Dr. Wolf durch Musik zum Ausdruck. Die war schon immer sein Hobby, und seine Musicals wurden von den Bürgern Nahariyas in den 30-er und 40-er Jahren auf improvisierten Bühnen aufgeführt. »Wir waren ungefähr 100 Familien, darunter mindestens 50 Pianisten, aber wer hatte schon Kraft zum Musizieren? Meine Musicals sollten etwas Trost spenden«, sagt Wolf. Teile seiner Musicals wurden in den letzten Jahren von deutschen Jugendlichen im Gymnasium von Bielefeld, der Partnerstadt Nahariyas, aufgeführt, und die Geschichte wird in David Witzthums Film »Nahariyada« erzählt. Im Rahmen einer dreitägigen Veranstaltung, die die deutsch-israelische Freundschaft zum Ausdruck bringen soll, lief der Film vergangene Woche auf der Rathausterrasse in Tel Aviv. Wie Dr. Wolf, der Held des Films, sind auch alle anderen Teilnehmer Jekkes der ersten, zweiten oder dritten Generation: Steff Wertheimer, Ruth Ofeck, Andreas Meyer, Uri Avnery und Nurith Carmel. Wer die Tel Aviver Vorführung verpasst hat, kann den Film auch im Museum für deutschsprachiges Judentum in Teffen ansehen. Als Initiative der Deutschen Botschaft in Israel und unter Schirmherrschaft der Stadtverwaltung Tel Aviv finden noch weitere Veranstaltungen statt, mit der die Freundschaft zwischen Deutschland und Israel betont werden soll. Die Rahmenveranstaltung nennt sich »Isragerma« und findet auf der Rathausterrasse statt. Es werden Gespräche, Konzerte mit Ensembles aus Deutschland und Beer Sheva und Verlosungen stattfinden. 20 deutsche Firmen werden bei der »Isragerma« ihre Produkte ausstellen.
|