Hamburg. Die ARD-Kuppelshow »Herzblatt« ist jetzt auch für Homosexuelle da: Zum Abschluss der derzeit laufenden Staffel präsentiert Moderator Jörg Pilawa am 3. Januar erstmals eine Ausgabe für Schwule. Markus (31), Produktmanager aus Bielefeld, darf sich zwischen drei Männern entscheiden, die hinter der »Herzblatt«-Wand Antworten auf seine Fragen geben sollen. »Denkbar ist, dass es demnächst auch eine Ausgabe 'Frau gegen Frau' geben wird«, sagte Pilawa.

Tel Aviv. Ein Israeli und eine Filipina, die beide eine Geschlechtsumwandlung hinter sich haben, wollen heiraten. Wie die israelische Zeitung »Maariv« am Mittwoch berichtete, hatten sich die beiden vor etwa zwei Jahren noch vor der Geschlechtsumwandlung in einer Bar für Homosexuelle in Tel Aviv kennen gelernt. Beide zogen kurz darauf zusammen und ließen später in Deutschland ihr Geschlecht umwandeln. »Beide hatten das Gefühl, in einem Körper zu leben, der ihnen nicht gehört«, erklärte Irit Rosenblum, Vorsitzende des Verbands »Mischpacha Chadascha« (Neue Familie). Die Organisation hilft dem Paar jetzt bei der Vorbereitung der Eheschließung auf Zypern.

München. In Bayern gibt es für Homo-Paare vorerst keinen offiziellen Segen der evangelischen Kirche. Die Sprecherin des Münchner Landeskirchenamts, Andrea Stocker, sagte am Mittwoch auf Anfrage: »Gottesdienstliche Segnung für homophile Partnerschafen halten wir in Bayern nicht für möglich.« Eine private Segnung sei jedoch ins Ermessen des einzelnen Pfarrers gestellt. Die Kirche betrachte grundsätzlich die seelsorgerliche Begleitung von Homosexuellen als ihre Aufgabe, dabei sei auch »segnende Begleitung« möglich. Die derzeitige Regelung gelte seit einem Beschluss der Landessynode von 1993. Derzeit werde jedoch zur Frage der gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften eine Vorlage erarbeitet, über deren Inhalt Stocker noch keine Auskunft geben konnte. Der Beschluss werde aber durch einen breiten Konsens gestützt sein. Über die Frage der Segnung homosexueller Partner- schaften entbrannte jüngst in der evangelischen Kirche ein heftiger Streit. Die Welle der Proteste schlug besonders in der Landeskirche von Hessen-Nassau hoch, wo die Synode beschloss, die Segnung zu ermöglichen. Der Segen des Pfarrers im Gottesdienst ist auch in der Pfalz und in der nordelbischen Landeskirche erlaubt. Einige Landeskirchen lassen eine Segnung im Rahmen einer Andacht zu.

The reason why Middle East is in deep shit

Rom. Die Führung der katholischen Weltkirche plant nach italienischen Medienberichten eine Offensive gegen die westliche Kultur der sexuellen Freiheit und Selbstbestimmung. Mit diesem Ziel
gebe der Vatikan in Kürze ein 500-Seiten-Dokument heraus, in dem er sich etwa gegen liberale Sexualaufklärung, »sicheren Sex« und die
Tolerierung von Schwulen-Ehen wendet, berichtete die römische Zeitung »La Repubblica« am 17.12.2002. Der Vatikan bestätigte, dass für Januar ein offizielles Schreiben zu diesen Themen geplant sei, äußerte sich aber nicht zum Inhalt. Nach Informationen der Zeitung handelt es sich um eine regelrechte »Gegenoffensive« gegen weit verbreitete liberale Auffassungen über Sexualität und Familie unter Politikern und besonders bei den Vereinten Nationen. Der angesehene Vatikanjournalist Marco Politi spricht von einer »Wojtyla-Doktrin der Sexualmoral«. Das Schreiben ziele auf »die Kultur, die sich in den vergangenen 50 Jahren im Westen ausgebreitet« und sich etwa bei UN-Konferenzen über Bevölkerungswachstum und Frauen zeige. Das Dokument trage den Titel »Lexikon der Familie und des Lebens« und werde vom Päpstlichen Rat für die Familie herausgegeben. Darin schreibe die Kirche ihr striktes Nein gegen jede Form der künstlichen Empfängnisverhütung fest sowie ihre Ablehnung von Kondombenutzung im Kampf gegen Aids. Die Ablehnung von »Safe-Sex-Praktiken« begründe sie unter anderem damit, dass Präservative nicht sicher seien. Vor allem wende sich das Dokument gegen eine Sexualaufklärung, die sich vornehmlich auf biologische Aspekte konzentriert. Der Vatikan kritisiere, dass dabei die Liebe als wichtiger Faktor ausgespart werde. Ein solcher Ansatz laufe daher laut Vatikan Gefahr, »lediglich zur Einführung in 'sicheren Sex' zu werden«. Stattdessen betone das Schreiben die monogame Familie von Mann und Frau als »Grundlage der Gesellschaft«. Homosexualität sei keinegleichwertige Alternative zur Heterosexualität, Männer einer
Schwulen-Ehe sollten keine Kinder adoptieren dürfen. Zwar seien die
Auffassungen der Kirchenführung in den Einzelfragen nicht neu, es sei aber bewusste Politik, diese nunmehr in einem neuen Dokument
zusammenzufassen, meint Politi.
 

Vancoucer. Einen kirchlichen Trauungsritus für gleichgeschlechtliche Paare hat der kanadische Bischof Michael Ingham von New Westminster genehmigt. In den ersten Januartagen werde der Pfarrer der Sankt Paul's Pfarrei in Vancouver, Neil Gray, die »Eheschließung« vornehmen, berichteten britische Medien am Montag. Dieser Schritt könnte zu einem Schisma in der anglikanischen Weltgemeinschaft führen. Der vor wenigen Wochen ausgeschiedene ehemalige Primas der anglikanischen Weltgemeinschaft, Erzbischof George Carey, hatte eine kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare kategorisch abgelehnt. In einem Schreiben an alle anglikanischen Erzbischöfe der Welt hatte er im Juli zudem vor einem Alleingang gewarnt. Da es zu diesem Thema die unterschiedlichsten Ansichten gebe, sollte keine Diözese »von den anglikanischen Hauptströmungen abweichen«. Carey erinnerte daran, dass die anglikanische Weltkonferenz 1998 eine kirchliche Eheschließung für Homosexuelle ebenso abgelehnt hatte wie die Weihe praktizierender Homosexueller zum Priestertum.

Straßburg. Großbritannien ist vom Europäischen Menschenrechtsgerichtshof verurteilt worden, weil über einen Antrag auf Strafaussetzung zur Bewährung eines Mörders nicht in einem ordentlichen Gerichtsverfahren entschieden wurde. Dass die zuständige Kommission die Entscheidung ohne Anhörung des Gefangenen getroffen habe und ohne dass er die Zeugen habe befragen können, sei ein Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention, urteilten die Richter am Dienstag. Der dem Mann gewährte Freigang war 1998 aufgehoben worden, nachdem er mit Ecstasy und Cannabis erwischt worden war und zudem eine Beziehung mit einem Minderjährigen begonnen hatte.
Die Straßburger Richter sprachen dem Mann 2.500 Euro Schaden- und 8.000 Euro Auslagenersatz zu. Abgewiesen wurden weiter gehende Klagen des Mannes, der 1981 als 16-Jähriger seine Großmutter umgebracht hatte. Er hatte unter anderem geltend gemacht, er sei wegen seiner Homosexualität diskriminiert worden, weil die Schutzaltersgrenze in Großbritannien 1998 für Frauen und Männer noch nicht identisch war. Der Menschenrechtsgerichtshof erklärte dagegen, für die Entscheidung der Kommission sei diese Frage offenbar unerheblich gewesen.

London. Für die rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe hat sich in Großbritannien die zuständige Ministerin Barbara Roche ausgesprochen. Entsprechende Gesetzesvorschläge würden derzeit von der Regierung erarbeitet und kämen demnächst ins Parlament, sagte die Gleichstellungsministerin laut einer Meldung des britischen Rundfunks BBC. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollten registriert werden können, und die Paare sollten ähnliche Rechte und Pflichten wie traditionelle Ehepartner haben.

Rom. Die Führung der katholischen Kirche hat sich dagegen
ausgesprochen, offiziell Homosexuelle zu Priestern zu weihen.
»Homosexuelle oder Männer mit homosexuellen Tendenzen sind nicht
geeignet, das Sakrament der Priesterweihe zu erhalten«, heißt es in
einer Antwort der Vatikan-Kongregation auf eine Anfrage von
Bischöfen. Eine Änderung dieser Haltung wäre »unklug und gefährlich«, heißt es nach italienischen Presseberichten vom Freitag in dem Schreiben der Kongregation. Allerdings gilt es in Kirchenkreisen als offenes Geheimnis, dass viele Priester homosexuell sind. Wie hoch dieser Prozentsatz ist, ist aber völlig unklar, weil sich die Priester nicht zu ihrer Homosexualität bekennen dürfen. Mitunter ist von 10 bis 20 Prozent homosexueller Priester die Rede. Der Vatikan hatte erst kürzlich angekündigt, schwulen Männern den Zugang zu Priesterseminaren versperren zu wollen. Dazu werde die katholische Kirche im nächsten Jahr ein offizielles Dokument veröffentlichen. Das Schreiben sei auch eine Antwort auf die zahlreichen Sexskandale unter Priestern. In den USA sind mehrere Bischöfe zurückgetreten, die pädophile Priester und deren Missbrauch
von Kindern gedeckt oder verschwiegen hatten. Nach katholischem Kirchenrecht dürfen Priester nicht heiraten und müssen keusch leben.

Dortmund. Ein 38-jähriger Priester hat am 5.12.2002 vor dem Dortmunder Landgericht sexuelle Kontakte zu mehreren Jungen seiner früheren Kirchengemeinde zugegeben. In einer schriftlichen Erklärung räumte der Kirchenmann ein, in seiner Wohnung von Ende 1998 an insgesamt acht Mal sogenannten Strip-Poker gespielt und sexuelle Handlungen an den Jungen vorgenommen zu haben. Die beteiligten Jungen seien zum damaligen Zeitpunkt allerdings alle schon 14 Jahre alt gewesen. Die Anklage, die auf Kindesmissbrauch lautet, sei daher nicht richtig. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass die Privattreffen schon viel früher begonnen haben und deshalb einer der Jungen noch 13 Jahre alt war. Der Priester war bis August 1999 in der Stadt Holzwickede als Vikar tätig. In seiner vom Verteidiger verlesenen Erklärung bekannte sich der Priester öffentlich zu seiner Homosexualität. Die Kontakte zu drei Jungen aus Holzwickede hätten sich im Zuge seiner Arbeit in der Gemeinde ergeben. Das heute 18 Jahre alte Opfer, das laut eigener Aussage zur Tatzeit 13 Jahre alt und damit noch ein Kind war, musste bereits am ersten Verhandlungstag in den Zeugenstand treten. Die Aussage fand jedoch hinter verschlossenen Türen statt. Der Vater (47) des Jungen, der anschließend aussagen musste, hatte über Freunde in der Gemeinde von den Vorwürfen erfahren. »Ich war entsetzt und
schockiert«, sagte er den Richtern.

Los Angeles. Ein US-Polizist, der den britischen Popstar George Michael 1998 wegen unzüchtigen Verhaltens in einer Parktoilette festgenommen hatte, kann den Musiker jetzt verklagen. Ein Berufungsgericht erlaubte dem Polizisten Marcelo Rodriguez am 3.12.2002, Michael auf zehn Millionen Dollar (rund 9,9 Millionen Euro) Schadenersatz zu verklagen. Der Polizist wirft Michael vor, ihn in dem Video zu seinem Lied »Outside« verunglimpft zu haben. Der erste Klageversuch war vor zwei Jahren gescheitert. Michael war im April 1998 von dem Polzisten in einer Herrentoilette in einem Park in Beverly Hills festgenommen worden. Der Musiker, der in den 80er-Jahren mit dem Popduo »Wham!« bekannt wurde, hatte sich nach der Festnahme öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Michael, der auch als Solokünstler sehr erfolgreich ist, musste nach seiner Festnahme eine Geldstrafe zahlen und gemeinnützige Arbeit leisten.

München. Bayerische Schüler stimmen laut einer neuen Studie großteils antisemitischen, schwulen- und ausländerfeindlichen Aussagen zu. 28,4 Prozent der Schüler im Freistaat finden »Homosexuelle abstoßend und pervers«. Mehr als ein Viertel sei der Auffassung, Ausländer würden Deutschen Arbeitsplätze wegnehmen. Fast ein Drittel habe beklagt, dass nur die negativen Seiten des Nationalsozialismus herausgestellt würden. Elf Prozent der Schüler meinten schließlich, durch ihr Verhalten seien Juden »an ihrer Verfolgung nicht ganz unschuldig«, hieß es weiter. Die Ergebnisse stammen aus einer neuen Studie der Universität Eichstätt-Ingolstadt zu Nationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Dafür wurden 5042 Schüler an 231 bayerischen Haupt-, Real-, Berufsschulen und Gymnasien befragt. Die größte Sympathie für rechtsextreme Denkschablonen fand sich dabei bei Haupt- und Berufsschülern, Jungen zeigten sich dafür anfälliger als Mädchen. Als wirklich gewaltbereit habe sich aber nur ein kleiner, harter Kern geoutet. Es gibt noch keine aktuellen Vergleichsstudien zu diesem Thema in anderen Bundesländern.                                          Phil