17. - 24. April 2003 / 15. - 22. Nissan 5763

Pessach erinnert an die Befreiung der »Bnej Israel«, der Kinder Israels, aus der Sklaverei und Knechtschaft in Ägypten vor ca. 3300 Jahren. Weiter soll durch Pessach daran erinnert werden, wie wichtig es ist, den Kampf für die Freiheit des jüdischen Volkes in jeder Generation fortzusetzen. Die Geschichte von Israels immer schwerer lastenden Unterdrückung und der Leiden der Knechtschaft, von der göttlichen Sendung die Moses und Aaron anvertraut wurde, von deren unermüdlichen Bemühungen um die Entlassung des Volkes, von dem hartnäckigen Widerstand des Pharao, der Reihe von gottgesandten Katastrophen, die schließlich Pharaos zeitweilige Meinungsänderung verursachten und die Rettung der Israeliten. All dies wird in »Schemot«, dem zweiten Buch Moshe, Kap. 1-15 erzählt.

Dieses Ereignis wurde der Mittelpunkt der jüdischen Geschichte, weil es die Geburt eines freien Volkes bedeutete und weil auch die aus dem Erleben der ägyptischen Sklaverei und der Erlösung gezogenen Lehren, eine kraftvolle Grundlage für viele wichtige Begriffe des jüdischen Glaubens und der jüdischen Ethik bilden. »Sman Cherutenu«, die Zeit der Freiheit. Zu diesem grundsätzlichen, spirituellen Konzept kommen noch das prächtige Zeremoniell und die besonderen Speisen hinzu, wodurch Pessach zu einem einzigartigen unter den jüdischen Festen wird. Pessach war

und ist ein Familien- und Gemeinschaftsfest. Die Tora (2. Buch Mose, Abs. 12) sagt: »Der Herr aber sprach zu Moses und Aaron in Mizrajim. Dieser Monat (Nissan) soll bei euch der erste Monat sein... Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für das Haus...« Dieses Lamm, das Pessach-Lamm, sollte bis zum 14. Des Monats gehütet und dann geopfert, gebraten und unter den Familienangehörigen verteilt werden. »Chag HaPessach«, das Überschreitungsfest, das Fest des Pessachlamms, erhielt seine Bestimmung in dem Moment, »als der Ewige an den Häusern der Kinder Israels vorbeiging und ihnen die zehnte Plage ersparte«, nämlich die Tötung des Erstgeborenen in jeder ägyptischen Familie. Das hebräische Wort »pessach« bedeutet: »vorübergehen an«. Die Tora nennt Pessach auch »Chag HaMazzot«, das Fest der ungesäuerten Brote – das Gebot, welches das Fest am deutlichsten identifiziert. Einzigartig für Pessach ist das Essen von ungesäuertem Brot, der Mazza, und die strengen Auflagen, für die Zeit von Pessach auch nichts Gesäuertes (chamez) im Hause zu haben bzw. zu besitzen. Was ist »chamez«?
Chamez ist jene der fünf Getreidearten – Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Spelt – die für mindestens 18 Min. mit Wasser in Berührung kam. Von derartigem Korn oder dessen Mehl wird angenommen, dass dann der Säuerungsprozeß begonnen hat. Auch Produkte aus Korn,

seien es Speisen oder Getränke, sind »chamez«. Also auch Brot oder etwa Bier (und das in Bayern... grins!). Ausgenommen ist die »Mazza«, das vorgeschriebene ungesäuerte Brot. Es ist auch verboten, an Pessach Geschirr und Geräte zu verwenden, an denen Chamez hängen könnte. Es sei denn, diese Gerätschaften werden gründlich »gekaschert«, d. h. mit heißem Wasser ausgekocht oder ausgeglüht. Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, Gewürze und Milchprodukte sind nicht »chamez«. Während das Chamez-

Verbot für die gesamte Zeit von Pessach gilt, ist das Gebot, Mazza zu essen nur in der Sedernacht gültig.
Der Sederabend (hebr. Ordnung) ist die religiöse Feier am ersten Pessachabend, der eine festliche Mahlzeit (hebr. Schulchan Orech) einschließt. Der Abend wird so genannt, weil er von einer bestimmten Ordnung feierlicher Handlungen begleitet wird. Für den festlichen Tisch mit Sederplatte werden grundsätzlich benötigt:
Mazza: 1. Das ungesäuerte Brot erinnert an die Eile, in der unsere Vorväter Ägypten verlassen mußten, so dass der Brotteig nicht genügend Zeit hatte zu säuern (»ehe er durchsäuert war«).
2. Es symbolisiert »das Opfer des Elends«.
3. Es erinnert an das Pessachopfer, welches die Mazza seit der Zerstörung des Tempels vertritt.
Wein: Symbol für Freude und Frohsinn. Die vier Becher Wein, die von jedem über den Abend getrunken werden, entsprechen den vier Ausdrücken in der Tora, welche die Erlösung Israels betreffen: »Ich werde euch aus Ägypten hinausführen«, »werde euch von der Knechtschaft befreien«, »werde euch mit ausgetrecktem Arm und Strafgerichten erlösen«, »werde euch mir zum Volke nehmen« und »werde euch in das Land bringen«. Dieser fünfte Ausdruck wird durch den Koß Eliyahu, den Becher für den Propheten Eliyahu, symbolisiert. Neben dem Becher ist auch ein Platz an der Festtafel für ihn reserviert.
Bitterkraut: Erinnert an die Bitterkeit, die die Israeliten während ihrer Knechtschaft zu erdulden hatten.
Charosset: Erinnert an den Mörtel, den die Israeliten zum Städtebau in Ägypten herstellen mußten und besteht aus einem Brei von Äpfeln,

Rosinen, Nüssen, Mandeln, Mazzemehl und Rotwein.
Salzwasser: steht als Symbol für die Tränen, die vom Volke Israel in seinem Unglück vergos-
sen wurden.
Karpas: Ein Zeichen von Frühling, von Frucht-
barkeit, von immer neuer Hoffnung für die Zukunft. Auch wenn Karpass in Salzwasser getunkt wird. Karpas kann z. B. Petersilie, Sellerie, Radieschen oder Kartoffel sein.
Beinknochen: Vorzugsweise wird ein langer Knochen vom Lamm oder Huhn verwendet, um die Erlösung »mit ausgestrecktem Arm« zu

verdeutlichen.
Ei: Das Ei symbolisiert das Festopfer, weil es das traditionelle Zeichen der Trauer ist, als Rad des Lebens.
Der Grund für die drei Mazzot auf dem Sedertisch ist, dass zwei »vollständige Brotlaibe« wie an jedem Shabbat und Jom Tov erforderlich sind; zum Mozi-machen (Segensspruch über das Brot). Neben dem Festmahl ist ein wesentlicher Bestandteil während des Ablaufs des Sederabends »Magid«, die Erzählung der Haggada, der Geschichte der Errettung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei. Nachdem halachisch festgelegt wird, dass man drei Mazzot benötigt, werden auch andere symbolische Gründe genannt. Zum Beispiel stehen die drei Mazzot für die drei Erzväter Abraham, Isaak und Jakob oder sie stellen die drei Gruppen der Kohen, Levi und Israel dar. Die dritte Mazza braucht man zum Halbieren, um einen Teil als Afikoman aufzuheben bzw. zu verstecken, mit dem das Festmahl beschlossen wird.
Pessach gehört ebenso wie Schawuot und Sukkot zu den von der Tora gebotenen drei großen Wallfahrtsfesten, den »Schalosch Regalim«. Pessach wird von mehr Jüdinnen und Juden eingehalten und gefeiert als irgendein anderes Fest des jüdischen Kalenders. Nach Untersuchungen begehen nahezu 98% der jüdischen Bevölkerung Israels das Fest in irgendeiner Weise. Zum Beispiel, indem sie Mazzot verzehren, die zu Pessach untersagten Speisen meiden, ihre Wohnung vollständig säubern und an einem Seder oder Gottesdienst in der Synagoge teilnehmen.