18. März 2003 / 14. Adar II 5763

Purim gehört zu den kleineren Festen wie Chanukkah und wird am 14. des Monats Adar (März/April) begangen. Man feiert fröhliche Parties, verkleidet sich und beschenkt die Armen. Im modernen Israel finden Umzüge statt, die von einer Karnevalsstimmung geprägt sind. An Purim gedenkt man der Erretung der jüdischen Gemeinde in Persien vor den teuflischen Mordplänen des Haman (weshalb auch an diesem Tag ein dreieckig geformtes Gebäck, die sog. »Hamantaschen« gegessen werden).
Die Ereignisse, die im Buch Esther beschrieben werden, trugen sich im Jahre 450 vor der Zeitrechnung zu. Der Name Purim leitet sich vom Wort »pur« (Plural purim) ab, was soviel wie »Los« (ein Los

ziehen) bedeutet. So waren es Lose, die Haman, Minister des Königs Achaschwerosch von Persien, ziehen ließ, um den Vernichtungstag der Juden zu bestimmen. Dieses Vorhaben wurdet durch Königin Esther sowie deren Onkel Mordechai vereitelt. Haman und seine Familie wurden hingerichtet.
Purim geht das sog. »Fasten Esther« voraus, das allerdings am Shabat sowie freitags nicht gestattet ist, da freitags der Shabat (Freudentag) vorbereitet wird. »Megilla (Rolle) ist die Bezeichnung für das Buch Esther. Sie wird am Purim-Abend und am nächsten Morgen in der Synagoge ausgerollt und vorgetragen, in den liberalen Gemeinden, im Unterschied zu den

orthodoxen, auch oder nur in Deutsch, damit alle die Geschichte verstehen können. Manchmal werden auch Kinder aus dem Religionsunterricht gebeten, ein Kapitel vorzutragen. Das Vorlesen erfolgt nach festgelegten Regeln. Der Name Gottes wird im Buch Esther nicht einmal erwähnt. Dies erklärt sich dadurch, daß die Rolle als eine Art Brief in alle Provinzen um Persien versandt wurde, und aus Angst vor Entweihung wurde der Name Gottes nicht erwähnt. Somit ist sie das einzige Buch der Bibel ohne den Namen Gottes. Wird bei der Lesung der Name Haman erwähnt, werden Lärminstrumente eingesetzt, die den größten Feind der Juden in Persien symbolisch auslöschen sollen.
Zu Purim findet ein Festmahl statt, das am Nachmittag des Festtages eingenommen wird. Typisch hierfür sind, wie schon erwähnt, die »Hamantaschen«. Erklärungsversuche hierfür tendieren in unterschiedliche Richtungen. Sie sollen den Hut symbolisieren, den

Haman trug, oder ein Zeichen für seine Bestechlichkeit sein, weil er viel Geld in seine eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Über den Grund der Dreiecksform wird ebenso diskutiert. Sie soll die drei Patriarchen, Abraham, Isaak, Jakob, verkörpern, die Begründer der jüdischen Lebensweise.
Die Challa zu Purim hat ebenfalls symbolischen Charakter. Aus einem

langen Zopf gebacken, soll sie die Stricke darstellen, an denen Haman erhängt wurde. Kreplach sind dreieckige Teigstücke, gefüllt mit Fleisch und Zwiebeln.
In einigen Gemeinden werden süß-saure Speisen gereicht, um auf der einen Seite die Trauer und auf der anderen die Freude des Festes darzustellen.
Dicke Bohnen und Erbsen sind ebenfalls typisch für Purim. Sie dienten als Schutz gegen Geister und gelten als koscher.
Nicht zuletzt kommt auch der Genuß alkoholischer Getränke nicht zu kurz, er gehört zu Purim einfach dazu (»Wie war Dein letzter Purim?« - »Hab ich total vergessen!«). Der wiederum bezieht sich auf den

von Esther errungenen Sieg, welcher mit einem Weinbankett begann.
Traditionell sind Maskeraden bei den Juden nicht gern gesehen, da dies oft zum Kleidertausch zwischent Mann und Frau führte, der durch ein biblisches Gesetz verboten ist. Trotzdem ist Verkleiden zu Purim aufgrund der Fröhlichkeit des Festes legitim. Erste Verkleidungen gabt es bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts durch den Einfluß des römischen Karnevals auf die italienischen Juden, eine Sitte, die sich schnell ausbreitete.
Einige progressive Juden schenken dem Purim-Fest keinerlei Beachtung, weil sie an der Authentizität zweifeln und weil die Rachegedanken, die die Geschichte prägen, nicht im Einklang mit den höchsten Lehren unserer Religion stehen. Dennoch wird Purim trotz dieser berechtigten Einwände von anderen progressiven Juden gefeiert.
Wenn die Geschichte auch nicht buch- stäblich wahr sein mag, so spiegelt sie

doch wahre historische Situationen von antisemitischen Übergriffen, die Juden zu vernichten drohten. Der glückliche Ausgang für uns Juden sollte uns jedoch nicht dazu verleiten, Schadenfreude über den Untergang unserer Widersacher zu entwickeln.