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Ganz Köln unter
der Regenbogenfahne: Die zehnte CSD-Parade ist mit von den Veranstaltern
geschätzten 700 000 Zuschauern nicht die größte, aber
die sichtbarste. Durch den neuen kürzeren Paradeweg über die
Deutzer Brücke und die Verlegung des Straßenfest-Schwerpunkts
aus dem Schwulenviertel um den Mühlenbach hin zum Dom, ist das Fest
auffälliger und präsenter im Stadtbild geworden. Die Hohenzollernbrücke
und die dicht an dicht mit Zuschauern besetzte Deutzer Brücke sind
beflaggt. Als die Parade stadteinwärts zieht, da stoppen auf dem
Rhein die Ausflugsboote, um den Passagieren einen Blick auf das Spektakel
zu gönnen. Stolz präsentiert man sich auf der Bühne am
Roncalliplatz um den Standort im Schatten des Doms war lange und
heftig gekämpft worden.
Die CSD-Parade ist
längst zu einem Mammutunternehmen mit monatelanger Vorbereitung und
ausgefeilter Finanzierung geworden. Jeder der 120 Wagen wird von zwei
professionellen Ordnern begleitet. Bezahlen müssen das die Gruppen
selbst. Alles in allem sind 800 Ordner auf Parade und Straßenfest
eingesetzt. Die Künstler, darunter am Sonntagabend als überraschungsgäste,
die Kelly-Family!!!, die auf den drei Bühnen 40 Stunden Programm
bieten, tun dies ohne Gage. Szene-Kneipen besorgen die Gastronomie, den
Rest finanzieren Großsponsoren. ÑUnd die fangen bei DM 100.000,00
erst an", sagt CSD Veranstaltungs GmbH-Geschäftsführer
Stefan Dick. Die schule Bewegung hat genug Stars in den eigenen Reihen,
um seine Wagen bestücken zu können. Dirk Bach und Lilo Wanders
sind auch in diesem Jahr wieder mit dabei. Und viel politische Prominenz.
Die GRüNEN sind gleich mit vier Spitzenpolitikern vertreten. Für
die Kölner SPD fäht Oberbürgermeisterkandidatin Anke Brunn,
dezent kostümiert mit einem zerfledderten Strohhut, auf dem Wagen
des Schwulen- und Lesbenzentrums SCHULZ mit.
Politische Aussagen
sind in der Parade, die als politische Veranstaltung angemeldet und genehmigt
ist, eher selten zu finden. Da wird gleich viel Recht für gleich
viel Liebe" gefordert, aber das offizielle Motto ÑTaten statt
Worte" wird dann schon bald zum ÑBraten statt Torte"
verulkt. Daneben gibt es viel Lautes, das eher an die Love Parade erinnert,
und auch viel Schrilles. Doch an Männer auf Plateauschuhen, gepiercte
Brustwarzen, nur von ein paar Lederbändern bedeckte Geschlechtsteile
und Nonnen mit (falschen) Riesenbrüsten scheinen sich viele Kölner
schon gewöhnt zu haben. Schon am Samstag kamen 150.000 Menschen zum
Starßenfest und verbanden den Besuch mit Shopping. Weil wegen des
CSD`s kräftig die Stadtkasse klingelt, werden zur Zeit Verhandlungen
mit dem Amt für Wirtschaftsförderung geführt, damit der
CSD einen Zuschuß bekommt ähnlich wie der Rosenmontagszug.
In diesem Fall lassen sich die CSD-Veranstalter den Vergleich mit dem
Karneval, den sie sonst gar nicht gerne hören, gefallen. Auf das
es im nächsten Jahr wieder heißt: KÖLLE ALOHA...
5 Jahre YACHAD
Come Back in Köln
/ NRW
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