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Rosh HaShana-Party in Berlin
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Wie in jedem Jahr gab es auch zu diesem Jahreswechsel am 29.09.00 eine große Rosh HaShana-Party von Yachad in Berlin. Wie immer zu solchen Anlässen, wurden die Räumlichkeiten in der WG Martin-Luther-Str. entsprechend hergerichtet, ein Party-Areal in den Haupträumen und ein grosses Buffet in der Küche. Es waren alle eingeladen, Ex- und Noch-Yachadler, deren Freunde und Bekannte, die Freunde der Veranstalter und diverse Gäste. Leider ließ sich Rabbiner Rothschild diesmal entschuldigen; die Hohen Feiertage lassen die Zeit für die eigene Familie kostbar werden. Eingeladen wurde ab 20.00 Uhr um allen die Gelegenheit zu geben, den G`ttesdienst zu besuchen. Die Gäste trafen so nach und nach ein mit mehr oder weniger Verspätung ein. Einerseits lag das an den verschieden langen G`ttesdiensten in den Berliner Synagogen, andererseits wurde es aber auch verursacht durch die Bemühungen der Gäste um ein entsprechendes Styling. Nach dem offiziellen Beginn fand das Buffet dann auch schnell seine Liebhaber und es folgte ein langer und schöner Abend. Es wurde gefeiert bis in die Nacht, ein bisschen Gesang und Tanz; und viel, viel Tratsch...Also ein rundum gelungener Einstieg in`s neue Jahr 5761.
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Fastenbrechen im Rimon
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Ebenfalls schon beinahe traditionell ist das gemeinsame Fastenbrechen oder Anbeißen nach Jom Kippur. Jedes Jahr reserviert Yachad Berlin einen Tisch in einem Restaurant (der in der Regel nicht für alle die kommen ausreicht), um nach Herzenslust zu essen. In diesem Jahr fiel unsere Wahl auf das Restaurant Rimon, bekannt für das gute Essen und den schlechten Service. Es ist nicht kosher und fällt auf der gemeindeeigenen Bewertungsskala unter jewishstyle. Es gibt israelische und ostjüdische Gerichte, die bei Bedarf auch kombiniert werden, dazu eine recht gute Auswahl an israelischen Weinen. Dort also trafen sich am Abend des 19.10.00 ca. 20 Personen, um gemeinsam zu essen. Das Restaurant liegt unmittelbar neben der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße, so waren kürzeste Anmarschwege gesichert. Es war voll bis auf den letzten Platz, nur unser Tisch war noch leer. Im Nu füllte er sich mit Speisen und Getränken im Überfluss. Der Rest des Abends war angefüllt mit Gesprächen, bis schließlich nach und nach alle nach Hause gingen; ein langer Tag forderte seinen Tribut. Auch dieser Abend war ein voller Erfolg für alle Beteiligten.
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Ein Abend vor Siggis Bar
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Es ist Freitagabend, 01.09.00 in Berlin.
Der G`ttesdienst ist vorbei, die Besucher der Synagoge Pestalozzistrasse machen sich auf den Heimweg. Zwei junge Yachadler, mit dem Rad auf dem Nachhauseweg, beschließen noch etwas zu essen und suchen sich dafür das auf dem Heimweg gelegene, und für das schwule Herbstfest bekannte, Restaurant arc aus. Es befindet sich direkt in einem der S-Bahn-Bögen unter der Stadtbahn, die die Innenstadt auf ganzer Länge durchquert. Es ist nicht viel los, aber der Freisitz ist noch geöffnet. Man stellt die Räder an einen Laternenpfahl direkt neben dem Restaurant. Plötzlich kommt ein Mann aus der im benachbarten S-Bahn-Bogen befindlichen Bar und möchte die beiden vertreiben. Liegt es an den Kippoth, die beide immer noch tragen?? Der barsch vorgetragenen Aufforderung leisten beide natürlich keine Folge, öffentliches Strassenland ist schließlich öffentlich. Nein, meint der Mann. Er hätte diese Fläche gemietet und dort, ein verächtlicher Blick zur Kopfbedeckung der beiden folgt, stellt niemand sein Rad ab. Die beiden blicken verwundert auf die rechts und links stehenden Fahrräder und beginnen damit, die eigenen am Pfahl anzuschließen. Ein heftiger Wortwechsel beginnt. Plötzlich fängt der Mann an, an den Rädern herumzuzerren und wirft sie um. Die Gegenreaktion folgt prompt: Die Räder werden wieder aufgestellt und noch während der nun folgenden scharfen verbalen Auseinandersetzung versucht, wieder anzuschließen. Die jetzige Attacke, es wird mit der Polizei gedroht, gipfelt im Satz mit wieder verbrennen. Jetzt hätten auch die beiden Yachadler gerne die Polizei dabei, denn das Maß ist jetzt voll. Einer der beiden Jungs geht zum Posten vor dem jüdischen Gemeindehaus, welches sich ja gleich um die Ecke befindet. Der andere hütet die Räder und verfolgt einen heftigen Wortwechsel des Mannes mit einem inzwischen dazugekommenen anderen Mann. Schließlich taucht eine Doppelstreife der Polizei auf und erstellt ein Protokoll. Die Beteiligten werden befragt. Während sich der eine Polizist der Empörung der beiden jungen Leute anschließt, ist der andere eher abgeneigt in dieser Sache tätig zu werden. Das Pendel schwingt schließlich zur Aktion. Nach Aufnahme der Personalien zieht sich die Polizei zurück. Die beiden Räder werden zur Sicherheit beiseite gestellt und nun wird endlich auch gegessen. Der Abend ist trotzdem verdorben. Ein Beispiel für Antisemitismus in Deutschland?
Nur wenige Tage später flattert den beiden Yachad-Mitgliedern ein Brief der Polizei ins Haus, mit der Frage, ob die beiden die Einleitung eines Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Beleidigung wünschen, oder nicht? Wir haben verzichtet. Was täten unsere Leser?
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Alternativen zur Ehe
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Ein stark strapaziertes Thema in allen Medien ist zur Zeit die sog. Homo-Ehe und inzwischen hat sogar der erste Teil des Gleichstellungsgesetzes zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft den Bundestag passiert. Im Vorfeld wurde häufig sehr kontrovers diskutiert, da nicht jeder uneingeschränkte AnhängerIn der Heirat in weiss ist. So versuchen verschiedene Organisationen und Medien die vielen anderen Formen der schwulen/lesbischen Lebensgestaltung aufzuzeigen. Im Oktoberheft der Stadtmagazins von Hamburg, genannt Hinnerk, erschien ein Beitrag unter dem Titel Jenseits von Ehen, der genau dies tat. Dargestellt wurde u.a. die klassische monogame Beziehung mit eigenem Häuschen und allem, was dazugehört. Weiter der klassische Singlehaushalt, zwei Männer mit Kind, und die WG. Um diesen besonderen Typ von WG, mehr als eine Zweck-WG, vorzustellen, kamen der Verfasser des Artikels, Clemens Glade und sein Fotograf, Jörn Hartmann, nach Berlin, zu Oren, Jens und Ephraim. Herausgekommen ist dabei ein Portrait des Zusammenlebens, welches schon als Alternative zur Ehe betrachtet werden kann. Auch die Photos waren besser, als die welche im Juli im Rahmen eines Beitrages im Magazin Outline erschienen. Auch so kann man normales jüdisches Leben in Deutschland den Leuten näher bringen, insbesondere der schwul-lesbischen Klientel.
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Besuch eines Fernsehteams in Berlin
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Von Ende Oktober bis Anfang Oktober diesen Jahres weilte ein Fernsehteam des WDR in Berlin um Aufnahmen zu machen für einen Bericht, der am 11. oder 12. Dezember um 22.20 in der ARD gesendet werden soll. Unter dem (Arbeits-)Titel Bouletten und Mazzeknödel wird jüdisches Leben in Berlin, abseits der Gemeinde vorgestellt. Passen zu diesem Konzept wurde auch Yachad Berlin angesprochen, und um Teilnahme gebeten. Dem Ansinnen wurde zunächst mit gebotener Zurückhaltung begegnet, ist die Schaffung eines Exotenstatus doch das letzte, was wir uns wünschen. Die Erfahrungen der Autors im Bereich Buch und Film und seine Mitgliedschaft in der Kölner jüdischen Gemeinde sprachen jedoch dafür. Nicht einverstanden waren wir mit der ausschließlichen Beschränkung auf Yachad, gibt es doch in Berlin mehr jüdische Lesben und Schwule, als Yachadler. Wir einigten uns auf Filmaufnahmen am Freitagabend, wenn in der WG von Oren, Jens und Ephraim der Kabbalat Shabbath begangen wird. Diese Treffen sind nicht ausschließlich auf Yachad begrenzt, denn eingeladen sind auch Freunde des Hauses. Am 03.11.00 war es soweit. Der Beginn wurde angesetzt auf 20.00 Uhr (verschiedene Endzeiten der G`ttesdienste in den Synagogen!) und pünktlich um 21.15 Uhr ging es auch schon los. Unser Gaststar war Oliver aus Paris, der den Kiddush besser sang als der Kantor kurz zuvor in der Synagoge. Leider waren die vielen Gästen anfangs zu kamerascheu, um sich wirklich zu beteiligen. Erst mit vorgerückter Stunde löste sich die Stimmung und ein ganz normaler Freitagabend begann. Auch diesmal fand das Buffet seine Freunde. Dank Jens, der jedes Mal das Beste gibt, um unzählige leckere Speisen, einschließlich selbstgemachter Challoth, auf den Tisch zu zaubern. Nach dem Essen stieg die Stimmung kontinuierlich an, bis schließlich auf dem Höhepunkt quer durch die Wohnung israelische Volkstänze getanzt wurden. Ein gelungener Einstieg in den Shabbath und vielleicht auch einige schöne Bilder für das Fernsehteam.
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Die Großkundgebung am 09.11.00
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Wie bereits aus anderen Medien bekannt sein dürfte, fand am 09.11.00 in Berlin eine Großdemonstration unter dem Motto Wir stehen auf für Menschlichkeit und Toleranz statt. Anstelle der erwarteten 100.000 Teilnehmer kamen weit mehr als 200.000 Menschen, um gegen Ausländerfeindlichkeit und die wachsende Gefahr aus dem rechten Lager zu demonstrieren. Der geplante Umzug gestaltete sich fast zu einer Standversammlung, da so viele Menschen erschienen, dass der Pariser Platz, Ort der Abschlusskundgebung, schon fast voll war, bevor die letzten Teilnehmer in der Oranienburger Straße überhaupt losgelaufen waren. Den Auftakt der Veranstaltung bildeten um 16.30 Uhr die Kranzniederlegungen vor der Neuen Synagoge, wobei schon um 16.00 Uhr kaum mehr Durchkommen auf der Straße war. Diverse Redner würdigten die Bedeutung dieses Tages in der deutschen Geschichte, insbesondere den 09. November 1938. Leider war die Technik vor Ort nur auf (die erwarteten ?) Teilnehmerzahlen ausgelegt, so dass die Mehrheit der Demonstranten kaum ein Wort verstand. Lediglich die markante Stimme des Kantors Scheffer war zum Abschluss deutlich zu vernehmen; und damit auch das gesprochene Kaddish.
Natürlich waren auch die Yachadler mit ihrem großen blau-weissen Transparent und einer Regenbogenfahne mit dem Magen David mittendrin im Geschehen. Trotz des schleppend beginnenden Abmarschs in Richtung Pariser Platz setzte sich gegen 18.00 Uhr auch unser Teil des Zuges in Bewegung und das kleine, tapfere Yachad-Grüppchen lief los. Das Interesse der umstehende Leute und diverser Kameras war überdurchschnittlich. Zum Beispiel trafen wir hier auch das Team vom WDR wieder, die ihre Dreharbeiten zu oben erwähntem Fernsehbeitrag ergänzen wollten. Leider war zu den Tribünen in der Oranienburger Str. und dem Pariser Platz kein Durchkommen, zu viele Menschen waren da schneller gewesen. So wurde das eigentliche Ziel, den anwesenden Gemeindemitgliedern die Präsenz von jüdischen Lesben und Schwulen zu dokumentieren, verfehlt. Sicher jedoch haben viele Gemeindemitglieder als Teilnehmer unsere Anwesenheit sicher bemerkt. Mit vielen Passanten kamen wir sogar in`s Gespräch, pro und contra hielten sich dabei durchaus die Waage. Sehr oft war festzustellen, dass die Toleranz, für die viele der Leute unterwegs waren, doch nicht die gesamte Menschheit betrifft. Lesben und Schwule waren oft nicht gemeint. Insgesamt war aber die Stimmung sehr offen und die Leute waren gut gelaunt. Die Abschlusskundgebung auf dem Pariser Platz wurde im Fernsehen ja schon ausgiebig gewürdigt. Absolutes Highlight war natürlich die Rede von Paul Spiegels. Er nahm wenig Rücksicht auf politische Korrektheit und griff unter tosendem Applaus der Demonstranten offensiv die Leitkultur-Diskussion der CDU an. Ein wichtiger und offener Beitrag, der sich wohltuend von den üblichen Phrasen der anderen Redner abhob. Danke.
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copyright: Yachad Deutschland, 2000
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