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Die 22. Europäische Konferenz der ILGA (International Lesbian and Gay Association) fand vom 04.-08. Oktober 2000 unter dem Motto accepting diversity in Bukarest statt.
Der Veranstaltungsort und das Motto waren mit Bedacht gewählt, war es doch der langen und teilweise sehr komplizierten Arbeit der rumänischen Schwulenorganisation ACCEPT (Bucharest Acceptance Group) zu verdanken, dass die Streichung des § 200 des Strafgesetzbuches zur gleichen Zeit im rumänischen Parlament diskutiert werden sollte. Noch immer stehen homosexuelle Handlungen in Rumänien unter Strafe und werden je nach Art der Schwere des Vergehens mit 1 bis 7 Jahren Gefängnis bestraft.
Das Abhalten der Konferenz in Bukarest, sollte in der Öffentlichkeit des Landes ein Zeichen setzen, was durch die Berichterstattung, z.B. im Fernsehen, auch gelang. Die öffentliche Meinung im Land ist teilweise unvorstellbar. So mussten die Tagungsteilnehmer bei Busfahrten von bewaffneter Polizei eskortiert werden, da sonst für die Sicherheit nicht garantiert werden konnte. Es war schon ein komisches Gefühl, bei der Stadtrundfahrt oder beim Galaempfang auf Schritt und Tritt beschützt zu werden. Selbst in der Hotelhalle stand immer bewaffnete Polizei.
Ausgerichtet wurde die Konferenz von ACCEPT, wobei als Hauptsponsoren ASTRAEA und die Berliner Heinrich-Böll-Stiftung beteiligt waren. Den guten Kontakten zu letzterer verdankt YACHAD auch die Einladung zur Konferenz, eine Premiere, der möglichst eine kontinuierliche jährliche Beteiligung folgen sollte.
Die insgesamt 4 Tage waren angefüllt mit diversen Workshops, u.a. zu Aspekten der Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften in den verschiedenen europäischen Ländern und den Bedingungen für Lesben und Schwule in Ost- und Südosteuropa. Bei Interesse können alle Unterlagen, Protokolle und Reden/Beiträge bei Yachad Berlin angefordert werden.
Insgesamt waren 85 Delegierte aus fast allen europäischen Ländern und den USA anwesend, dazu kamen die Teilnehmer von ACCEPT aus Bukarest und anderen rumänischen Städten. Höhepunkt der Tagung waren zweifellos das Galadiner in einem der besten Hotels der Stadt, bei dem u.a. der amerikanische Botschafter und Vertreter der deutschen und der niederländischen Botschaften in Rumänien anwesend waren und die beiden Abende in der einzigen (illegalen?) Schwulendisko der Stadt. Dort wurde auf erstaunlich großer Fläche zu 80er Jahre- und speziellere Balkanmusik getanzt. Auffallend dabei war die Lebensfreude und die Offenheit, unter den schwierigen Bedingungen in Rumänien, was das verkrampfte Auftreten in manchem Club in Deutschland geradezu peinlich erscheinen lässt. Die lockere Atmosphäre erleichterte auch die Kontaktaufnahme zu den anderen Delegierten, was sich sonst im ausschließlich geschäftlichen Klima der Workshops als schwierig erwies.
Während des Kongresses wurde YACHAD also schon als Organisation wahrgenommen, wobei der Umfang der eigenen Öffentlichkeitsarbeit nicht vergleichbar ist, mit der anderer vertretener Gruppierungen. Insgesamt jedoch war die Teilnahme erfolgreich.
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