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Nazi-Kundgebung erfolgreich verhindert...

 

 

 

Ausgerechnet am 1. Tag von Rosh HaShana, dem 30.09.2000, sollte auf dem Marienplatz, im Zentrum der Stadt, eine Kundgebung der rechtsextremen NPD stattfinden. Dies war das Gespräch beim Kiddush in der liberalen Gemeinde Beth Shalom. Die Israelitische Kultusgemeinde hatte die Münchner Bevölkerung, zusammen mit politischen Parteien und Bündnissen gegen Gewalt und Rassismus, in den Münchner Tageszeitungen dazu aufgerufen, möglichst zahlreich auf dem Marienplatz zu erscheinen und die Kundgebung zu stören, leider war es nicht möglich, diese ganz zu untersagen. Nachdem die Stadtverwaltung angeblich per Grundgesetz verpflichtet war die Nazi Kundgebung zu erlauben und keine Möglichkeit sah, diese zu verbieten (Versammlungsfreiheit), war der Appell an die Münchner Bürger ein MUSS für jeden politisch bewußten Menschen, Jude oder nicht, Feiertag oder nicht. Somit machte ich mich zusammen mit einigen Gemeindemitgliedern auf, um in Anzug und mit Tallithbeutel unter`m Arm, gegen die NPD zu demonstrieren. Als wir auf dem Platz ankamen, hatten sich dort bereits hunderte Menschen eingefunden, Alte, Junge, Linke, Prominente und gewöhnliche Münchner Bürger (in Ganzen rd. 5000 Personen), die lauthals Parolen gegen Nazis skandierten. Bisweilen waren einige Unverbesserliche Alte auszumachen, die sofort von Demonstranten umringt, und per Parolen – „Nazis raus“ etc. vom Platz verwiesen wurden. Aufgrund des massiven Widerstands der Gegendemonstranten, gelang es den NPD-Mitgliedern zunächst nicht den Marienplatz einzunehmen und mit ihrer Kundgebung zu beginnen. Leider eskalierte die Situation dadurch, weil die anwesenden Polizeikräfte damit begannen, den NPD-Leuten gewaltsam (mit Pfefferspray und Prügeln) Zugang zum Marienplatz zu verschaffen. Diese Ungeheuerlichkeit wurde im Nachhinein von den GRÜNEN auf`s heftigste kritisiert und wird ein Nachspiel im Münchner Stadtrat haben. Als die häßlichen, meist spätpubertären Glatzen dann unter dem Rathaus standen (ca. 10 Personen) versuchten sie via Lautsprecheranlage den versammelten Menschen ihre menschenfeindlichen Parolen entgegenzuhalten. Allerdings hatten sie nicht mit den Stimmen der Gegendemonstranten gerechnet die, incl. unserer Gruppe, nicht müde wurden, lauter zu schreien, als die Verstärker die NaziHasstiraden übertragen konnten. Letztlich begannen Leute damit, faule Eier und Obst auf die Nazis zu werfen und diese zogen - mit Polizeibegleitung -  nach Ablauf der ihnen zugestandenen Kundgebungs-Zeit wiedab. Im Nachhinein waren den Münchner Zeitungen Lobpreisungen der Politiker zu entnehmen, die sich positiv darüber aussprachen, daß die „mehreren tausend Münchner“ mit der Gegendemonstration ein Signal gesetzt hätten, daß
rechtsextremistische Versammlungen nicht hingenommen würden.

Am 07.10. gestattete man der NPD erneut von 9.00-12.00 Uhr einen Infostand im Stachus-Untergeschoß aufzubauen. Wieder bezogen rd. 100 Gegendemonstranten Stellung vor dem Stand und bemühten sich den Passanten den Blick auf den Stand zu verstellen. Die Gegendemo verlief friedlich und die Nazis zogen nach der ihnen zugestandenen Zeit wieder ab.

Und auch zum Wochenende des 25./26.11.00 wollte die NPD eine erneute „Veranstaltung“ mit 1.500! angemeldeten Teilnehmern in München durchführen. Eigentlich hatten sie sich dafür den Jakobsplatz ausgesucht, auf dem demnächst das Neue Jüdische Gemeindezentrum entstehen wird. Die Israelitische Kultusgemeinde wird an diesem Wochenende zusammen mit der Stadt München, der Bevölkerung und vielen Künstlern, eine große Infoveranstaltung zum Thema Neues Gemeindezentrum durchführen und konnte somit den Platz für die Nutzung durch die Nazis „sperren“. In allen Tageszeitungen wurde dennoch täglich zu diversen Gegendemonstrationen aufgerufen und dann kam die beste Nachricht der Woche: „Die Neonazis kriegen keinen Stiefel auf Münchner Boden und blasen ihre Provokations-Demonstration“ ab. Eine Stadt, die in den 20er Jahren zur Geburtsstätte der Nazibewegung wurde, hat jetzt zu einer bemerkenswerten Tradition der Toleranz und des aufrechten Ganges im neuen Deutschland gefunden. Hier setzte die Lichterkette (organisiert von Mitgliedern der Münchner Gemeinde) Anfang der 90er Jahre mit 500.000 Teilnehmern ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit, hier stoppte eine Massenbesetzung des Marienplatzes durch couragierte Demokraten den NPD-Aufmarsch gegen die Wehrmachtsausstellung, und hier gab es im Sommer diesen Jahres mit der Aktion „München sagt Ja zur Toleranz“ eine bundesweit beachtete Manifestation gegen rechte Gewalt. Der Samstag des 25. November wäre für die NPD zu einem Waterloo geworden, weil München für eine große Gegenkundgebung alle demokratischen Kräfte mobilisierte. Die Neonazis durften nicht demonstrieren und München zeigte bei der Großveranstaltung auf dem Jakobsplatz, dass diese Stadt für Liberalität (trotz CSU) und Antifaschismus steht. Dennoch sollte klar sein: Die NPD-Demo mag verhindert worden sein, doch der Schoß aus dem sie kroch (und kriecht) ist noch fruchtbar. 

Fred 

copyright: Yachad Deutschland, 2000
 
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