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Washington - Still
steht sie in ihrer Vitrine, die graue gusseiserne Maschine mit der
eingebauten Zahlentastatur. Rund 60 Jahre ist es her, dass sie tausende
von Lochkarten schluckte und wieder ausspie, um die deutsche Bevölkerung
zu zählen, zu sortieren und zu registrieren. Heute veranschaulicht der
Apparat der Firma IBM im Washingtoner Holocaust-Museum die Kalkulation
des Grauens. Den US-Autor Edwin Black inspirierte er zu einer Recherche,
die in schwere Vorwürfe gegen den Computerriesen gemündet ist. Mit dem
Lochkartensystem habe die US-Firma den Nazis wissentlich bei der
Verwaltung und Koordinierung ihrer Verbrechen geholfen, schreibt Black
in seinem gerade erschienenen Buch <IBM und der Holocaust>. NS-Opfer
verklagen den US-Mutterkonzern auf Entschädigung. Die Massenvernichtung
jener Bürger, die von den Nazis als <Untermenschen> klassifiziert
wurden, war für den NS-Staat nach Blacks Worten eine riesige
organisatorische Herausforderung. Um Unerwünschte ausfindig zu machen
und zu verfolgen, wurde die gesamte Bevölkerung präzise erfasst. Die
Volkszählung von 1938 lieferte die Datenbasis - festgehalten auf
Lochkarten der deutschen IBM-Tochter Dehomag. Mit einer für die damalige
Zeit unglaublichen Geschwindigkeit wurden die Informationen über jeden
Bürger registriert. Danach wurden sie von Hollerith-Maschinen derselben
Firma ausgewertet. Der Vorläufer des Computers funktionierte mit
verhängnisvoller Präzision. Anhand der erhobenen Daten erstellten die
Nazis Namenslisten der Menschen, die sie in Arbeits- und später
Konzentrationslager verschleppten. Auch dort standen Hollerith-Maschinen
im Dienst der NS-Verwaltung. Zu jedem neuen Gefangenen wurde eine
Karteikarte angelegt, die ihn als Juden, Homosexuellen oder <Zigeuner>
kategorisierte. Unterkunft und Arbeitseinsatz wurden ebenso festgehalten
wie die Todesursache. Ohne die IBM-Technologie, so lautet Blacks These,
hätte Adolf Hitler niemals so schnell so viele Juden und Angehörige
anderer Minderheiten umbringen können.
Thomas
Grossmann ist einer von fünf Überlebenden des Holocaust, die
den US-Computerriesen wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei
der Verfolgung von Millionen Menschen durch die Nazis
verklagt haben. Der 1927 in Budapest geborene Jude wurde
1944 mit seinen Eltern und seinen beiden Schwestern nach
Auschwitz deportiert. Sein Vater starb im
Zwangsarbeiterlager in Oberwüstegiersdorff. Grossmann wurde
zuerst ins KZ von Flossenbürg, dann nach Theresienstadt
verlegt, aus dem er 1945 befreit wurde. Heute wirft er dem
Unternehmen vor, es habe um des Geschäftes willen Schicksale
wie das seine in Kauf genommen.
Die
New Yorker Mutterfirma habe eindeutig von den NS-Lagern und
der Verwendung ihrer Maschinen dort ge-wusst, sagt
Opfer-Anwalt Michael Hausfeld. Bis 1943 habe New York die
Dehomag vollständig kontrolliert. Die Maschinen seien
regelmäßig von IBM-Technikern gewartet worden, die dafür
auch in die Lager gekommen seien. Das US-Unternehmen habe
sich wissentlich an Verbrechen gegen die Menschheit
beteiligt, sagt Hausfeld. Der Anwalt führte bereits die
Sammelklagen von NS-Opfern gegen deutsche Firmen. An der in
diesem Zusammenhang vereinbarten Stiftung zur Entschädigung
ehemaliger Zwangsarbeiter ist auch IBM beteiligt. Ein
Sprecher des Konzerns erklärte am Dienstag in Stuttgart, die
Benutzung der Hollerith-Maschinen durch die Nazis sei seit
langem bekannt. Die Dehomag sei vor und während des Zweiten
Weltkriegs von den NS-Behörden kontrolliert worden. Ähnlich
argumentieren US-Unternehmen wie Ford, deren deutsche
Tochterfirmen an der Ausbeutung von Zwangsarbeitern
beteiligt waren. Wird die Sammelklage gegen IBM angenommen,
dann könnten Forderungen in Millionenhöhe auf den
Computerriesen zukommen. Als Wiedergutmachung müssten
zumindest die damals unrechtmäßig eingefahrenen Gewinne
zurückgezahlt werden, verlangt Hausfeld. Laut Black erzielte
die Dehomag während der Nazi-Zeit einen geschätzten
Jahresumsatz von 15 Millionen Reichsmark.
Am 20.
April ist Jom HaShoa!!!
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