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Jahrestagung der „Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz“

 

 

 

Die Jahrestagung der „Union progressiver Juden in Deutschland, Österreich und der Schweiz findet vom 28.06.2001 – 01.07.2001 in Zusammenarbeit mit der Moses Mendelsohn-Akademie in Halberstadt statt und steht ganz im Zeichen „200 Jahre Reformjudentum“.

Das vorläufige Programm ist über die Berliner Geschäftsstelle erhältlich. Fax: ++49(0)308537697.

 

Berlin (ale)

 

 

 

Die internationale schwul-lesbische Filmgemeinde und deren homo- und heterosexuellen Fans tanzten Walzer zum Beginn der großen Teddy Award-Gala am Samstagabend in Berlin. Die geschmeidigen Tanzschritte waren der sanfte Auftakt einer rauschen-den Party, die mehrere tausend Gäste nach der Film-preisverleihung bis in die frühen Morgenstunden feier-ten.

Anlässlich der Berlinale wurde der schwul-lesbische Filmpreis zum 15. Mal im Haus der Kulturen der Welt vergeben. Stürmischen Applaus gab es, als der scheidende Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin, Moritz de Hadeln, den Special-Teddy für seine Verdienste um diesen Award entgegennahm. Der 61-Jährige hat die schwulen und lesbischen Filmschaffenden seit seinen Anfängen als Direktor des Filmfestivals in Nyon und Locarno sowie als Berlinale-Chef kontinuierlich unterstützt und 1992 den Teddy als offiziellen Preis der Berliner Filmfestspiele akzeptiert. Der Teddy Award ist weltweit der einzige schwul-lesbische Film-preis, dessen Kandidaten aus dem Programm eines großen Filmfestivals hervorgehen. Ohne seine Beachtung wäre der Teddy gar nichts, so die aus neun Mitgliedern zusammengesetzte internationale Jury. Der Berlinale-Direktor sagte sichtlich bewegt, es sei für ihn immer selbstverständlich gewesen, auch homosexuellen Künstlern eine Plattform zu bieten. Im Filmgeschäft gebe es keinen Platz für Intoleranz. Ich hoffe, sagte er, dass mein Nachfolger das genauso sieht. In diesem Frühjahr wird er nach 22 Jahren Amtszeit die Berlinale an Dieter Kosslick übergeben.

Die drei Hauptkategorien des Teddy-Award - Spielfilm, Dokumentarfilm und Kurzfilm - sind mit jeweils 5.000 Mark dotiert. Der Teddy für den besten Spielfilm ging an Hedwig and the Angry Inch von John Cameron Mitchell, der als Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller eine außergewöhnlich originelle Rockoper realisiert hat. Den Dokumentarfilm-Teddy erhielt Sandi Simcha Dubowski für Trembling Before G-D. Der Film thematisiert das geheime Leben von lesbischen Jüdinnen und schwulen Juden weltweit.

Daniel Wiroth wurde für seinen Kurzfilm Ere Mela Mela ausgezeichnet, der den Moment eines intimen Tanzes zwischen zwei Männer darstellt. Den Preis der <Teddy-Jury> haben Sue Maluwa-Bruce und Beate Kunath für Forbidden Fruit erhalten, ein Film, der die Liebesgeschichte zweier Lesben und die gesellschaftlichen Auswirkungen dieser Liebe im ländlichen Simbabwe zeigt. Außerdem haben Leser des schwul-lesbischen Berliner Stadt-Magazins Siegessäule den Film Sa Ree Lex (The Iron Ladies) von der thailändischen Regisseurin Yongyoot Thongkongtoon mit 2.500 Mark prämiert. Die festliche Teddy-Gala moderierten Fräulein Schneider (Geschwister Pfister) und Christoph Eichhorn mit viel Witz und Charme. Für Unterhaltung sorgten unter anderen die Sängerin Ariane Baumgartner, die in Berlin lebende koreanische Sopranistin Moonsuk Kang und die Akrobaten Krasnopolski & Pereviasko mit einer melodramatischen Choreographie an zwei Leitern. Die anschließende Party gilt als einer der schrillsten Höhepunkte der Berliner Filmfestspiele. Festlich gekleidete Damen in Frack und Zylinder schwebten neben grell geschminkten Tunten und

Transvestiten in farbenprächtigen Paillettenkleidern und schwindelerregend hohen Absätzen über die Tanzfläche. Darunter eng umschlungen Männer in Smoking, schwarzem Leder oder unauffälligem Alltags-Outfit. Vor allem aber mischten sich mehrere tausend Homo-, Bi- und Heterosexuelle zu einer überschäumenden, grenzüberschreitenden brodelnden Masse. Den Überblick, so schien es, behielten nur die kreideweiß geschminkten Schwestern der perpetuellen Indulgenz, eine gemeinnützige HIV/AIDS-Hilfsorganisation mit Hauptsitz in San Francisco. Sie verteilten unentwegt Kondome.

 

San Francisco

 

 

 

Öffentliche Angestellte in San Francisco (US-Bundesstaat Kalifornien) können sich Geschlechts-Umwandlungen aus der Stadtkasse bezahlen lassen. Die Stadtväter der Homosexuellen-Hochburg beschlossen, dass die Intim-Operationen künftig von der städtischen Krankenversicherung gedeckt werden, berichtete die Zeitung «San Francisco Chronicle» am Freitag. «Das ist eine Frage der Menschenrechte», begründete Stadtrat Mark Leno die Entscheidung. San Francisco ist die erste Kommune, die Geschlechts-Umwandlungen finanziell unterstützt. Die Operation von Mann zu Frau kostet etwa 40 000 Dollar (84 000 Mark), von Frau zu Mann 80 000 Dollar (168 000 Mark). In der Westküsten-Stadt leben nach Schätzungen etwa 15 000 Transsexuelle.

 

Den Haag

 

 

 

Prinz Johan Friso (32), der zweite Sohn von Königin Beatrix und Prinz Claus der Niederlande, hat amtlich dementieren lassen, dass er schwul sei.

Der Sprecher des Hofs in Den Haag betonte am Mittwoch im Namen des über Pressespekulationen irritierten Königssohns: «Er ist nicht homosexuell sondern heterosexuell». Die ungewöhnliche Erklärung ist nach Angaben vom Direktor des königlichen Informationsamts Eef Brouwers eine Reaktion auf Berichte in verschiedenen Medien. Vor allem seit Ankündigung der Hochzeit seines ein Jahr jüngeren Bruders in diesem Sommer werde wild über die sexuellen Interessen von Johan Friso spekuliert. «Der Prinz empfindet es als nervtötend, dass er als etwas bezeichnet wird, das er nicht ist», erläuterte Brouwers. Der Königssohn habe sein Privatleben sehr gut abgeschirmt, bestätigte «de Telegraaf». «In den letzten Jahren ist er in der Öffentlichkeit nicht an der Seite einer Freundin erschienen», berichtete das Blatt am Mittwoch. Auch Behauptungen über eine Änderung der Thronfolge träfen nicht zu, versicherte der Königshaus-Sprecher. Johann Friso sei nach wie vor zweiter Anwärter auf den Thron, nach seinem ein Jahr älteren Bruder Willem Alexander. In letzter Zeit war wiederholt spekuliert worden, dass der Kronprinz auf den Thron verzichten könne, wenn es zu viele Probleme um eine Hochzeit mit seiner argentinischen Freundin Maxima Zorreguieta geben solle. Für diesen Fall war Prinz Constantijn, der dritte und jüngste Sohn der Königin, als möglicher Thronfolger genannt worden. Johan Friso habe kein Interesse an der Aufgabe, hieß es in vielen Berichten. Der zweite Königssohn ist seit 1998 in London bei der Geschäftsbank Goldman, Sachs & Co tätig.

 

Frankfurt/Main

 

 

 

In knapp sechs Monaten können auch Schwule und Lesben den Bund fürs Leben schließen.

Am 1. August tritt nach monatelangem politischen Streit ein Bundesgesetz in Kraft, das es Homosexuellen ermöglicht, eine eingetragene Lebenspartnerschaft einzugehen. Danach erhalten sie einen eheähnlichen Status. Doch wie die <Homo-Trauung> von den Bundesländern praktisch organisiert wird, ist noch unklar. Zurzeit steht beispielsweise nicht einmal fest, ob sich die schwulen und lesbischen Paare das Jawort auf dem Standesamt oder aber vor einem anderen Verwaltungsbeamten geben werden. Im Ende letzten Jahres verabschie-deten Gesetz, das die Kernpunkte der juristischen Neuerung enthält, ist lediglich von der <zuständigen Behörde> die Rede. Auf detaillierte Ausführungsbestimmungen verzichtete die rot-grüne Mehrheit im Bundestag bewusst, um zu verhindern, dass das Gesetz zwingend dem Bundesrat vorgelegt werden musste. Dort drohte nämlich wegen der ablehnenden Haltung der unionsgeführten Bundesländer eine Abstimmungsniederlage. Im Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat liegt zurzeit zudem noch der zweite Teil des Gesetzes. Dieses Lebenspartnerschaftsergänzungsgesetz bedarf we-gen seiner Regelungen zum Steuerrecht, zur Sozialhilfe, zum Wohngeld und zum Beamtenrecht der Zustimmung der Länderkammer. Die taktische Aufteilung des Gesetzespakets hat zur Folge, dass nun jedes einzelne Land entscheiden kann, welche Behörde es mit der Homo-Ehe beauftragt. Aus Sicht des Bundesjustizministeriums sollten dies in jedem Fall die Standesämter sein, wie eine Sprecherin am Montag sagte: <Dies ist schon deshalb sinnvoll, weil dort die Personenstandsakten verwaltet werden und es schon Erfahrungen mit herkömmlichen Ehe-schließungen gibt.> Dies sieht Ulrike Frowein vom bayerischen Innenministerium anders: In ihrem Bun-desland, das die Homo-Ehe rundheraus ablehne, sei die <Neigung, Homosexuelle zum Standesamt zu lassen, nicht so ausgeprägt>. Frowein hält es für denkbar, dass Homosexuelle in Bayern vor dem Notar einen Vertrag schließen, der bei den Regist-riergerichten hinterlegt wird. Dies dürfte aber aus Sicht von Rechtsexperten kaum möglich sein, weil ein Notar nicht als Behörde fungieren kann. An-sonsten ist der Freistaat mit den Planungen in Sa-chen „Home-Ehe“ nicht weit fortgeschritten. Ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums sagte, man werde damit warten, solange Teile des Gesetzes noch in der Schwebe seien. In der Hansestadt Rostock sollen Lebenspartnerschaften dagegen wie normale standesamtliche Trauungen zwischen Mann und Frau vollzogen werden. Es wird zwar notgedrungen bei den Trauungstexten gewisse Unterschiede geben, aber Abstriche an der Zeremonie sind nicht vorgesehen, wie die Leiterin des Rostocker Standesamtes Silvia Jühlke versicherte. Sie sei auf derartige feierliche Eheschließungen eingestellt.

 

Mexiko-Stadt

 

 

 

Rund 200 homosexuelle Paare haben am Valentinstag in Mexiko-Stadt in einer symbolischen Zeremonie geheiratet. Vor den Augen tausender Zuschauer unterzeichneten die Heiratswilligen am Mittwoch ein Dokument, das jedoch offiziell nicht als Heiratsurkunde anerkannt wird. Die Aktion war als Protest gegen die Diskriminierung von Homosexuellen in dem mittelamerikanischen Land gedacht. In Mexiko sei es für schwule Paare sehr schwer, eine Wohnung zu mieten oder einen Kredit zu bekommen, sagte Armando Ocejo von einer Homosexuellen-Organisation. Viele Homose-xuelle könnten nicht einmal der Sozialversicherung beitreten. Der mexikanische Kardinal Juan Sandoval bezeichnete Eheschließungen unter Gleichgeschlechtlichen als <abnormal>.

 

Hamburg

 

 

 

Holger kocht für Max. «Auf Bali opfert man den Reis ja den Göttern. Ich mache ihn nur für dich.» Da dämmert es auch dem letzten Fernsehzuschauer: Die beiden netten jungen Männer sind ein schwules Paar. Holger und Max, Kunstbuchhändler und Tanzlehrer, haben eine Wohnung mit Kuschelecke, kochen gern und werben für Tiefkühlgerichte von „Iglo“. Im Internet dichten die Werber dazu den Anfang der Liebesgeschichte. Bei einer Premierenfeier von Schwanensee soll es gewesen sein, erzählt Holger dort: «Max hatte eine winzige Rolle als junger Schwan und sah einfach umwerfend aus in seinem Federkostüm.» Die beiden Figuren sind das erste homosexuelle Paar des deutschen Werbefernsehens. Was vor einigen Jahren noch ein Tabu war, kommt heute ein bisschen daher wie eine Mischung aus tuntigem «Ein Käfig voller Narren» und traditioneller Knorr-Familie. «Für die auf Familienidyll mit klassischer Rollenverteilung geeichte Lebensmittelindustrie ist das ein fast revolutionärer Schritt», schreibt das Fachblatt «Werben & Verkaufen» (W & V) über die Spots der Agentur McCann-Erickson. Endlich mal nicht die «Volltrine» und die «nervige Tunte», heißt´es beim schwulen Publikum. «Immer nur politisch korrekt zu sein, ist für Werbung ja auch uninteressant.» Lieber ein Rollenklischee als lang-weilig, meint Christian Eckel, Mitarbeiter beim schwul-lesbischen Blatt «Queer» in Köln. «W & V»-Autor Klaus Wieking hat hingegen für die «Fünf-Minuten-Trine im Rosa-Kochstudio» kein gutes Wort übrig – zu viele Klischees, findet er. Das Männerpaar in der Werbung passt zu einem Zeitgeist, in dem die Berliner Homo-Parade «Christopher Street Day» von immer mehr «Normalos» bevölkert wird und viele Fernsehserien eine schwule Figur haben. Wie im Film, waren es auch in der Werbung früher noch die versteckten Andeutungen, die sich meist allein dem homosexuellen Publikum erschlossen. Die «New York Times» beschreibt in einem Artikel über dieses «gay vague advertising» zum Beispiel das Frauenpaar, das sich in der Werbung von Christian Dior innig umarmt und ein Publikum unabhängig von der sexuellen Orientierung ansprechen soll. Sonst heißt es für Lesben in der Werbung eher: Fehlanzeige.

 

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