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Der
Sohn des jüdischen Sanitätsrats Dr. Hermann Hirschfeld und
seiner Frau Friederike Mann kam am 14. Mai 1868 in
Kolberg/Pommern zur Welt. Mit seinen sieben Geschwistern
verbrachte er dort auch seine Jugend- und Schulzeit. Nach
dem Abitur am Kolberger Dom-Gymnasium studierte der junge
Magnus in Breslau, Straßburg, München und Heidelberg. Neben
Philosophie und Philologie belegte er vorzugsweise Medizin
und promovierte 1892 in diesem Fachgebiet. Nach dem
Staatsexamen 1893 folgte eine ausgedehnte Reise durch die
USA, Nordafrika und Italien. Von dieser zurückgekehrt,
eröffnete Dr. med. Magnus Hirschfeld im gleichen Jahr in
Magdeburg eine Praxis für Naturheilkunde. Zum Thema der
gleichgeschlechtlichen Liebe erschien zwei Jahre später am
neuen Wohnsitz Berlin sein erstes, unter Pseudonym
veröffentlichtes Buch "Sappho und Sokrates".
Um die
Reform des § 175 durchzusetzen, sammelte ab 1897 das auf
Hirschfelds Initiative hin gegründete
"Wissenschaftlich-humanitäre Komitee" (WhK) Unterschriften
von Prominenten. Bekannt wurde das WhK auch durch
Hirschfelds "Jahrbücher für sexuelle Zwischenstufen", eine
Studiensammlung zu Fragen aus allen Bereichen der
Homosexualität.
Magnus
Hirschfeld vertrat schon ab 1900 in Weiterentwicklung der
Theorien von Karl Heinrich Ulrichs die Ansicht, dass
Homosexualität weder als Krankheit noch als Laster, sondern
als natürlich angeborene Variante sexueller Neigung
anzusehen und zu werten sei. Sein in wenigen Jahren
erworbenes und durch fundamentales Forschen untermauertes
Wissen über alle Formen der Sexualität befähigte Dr. Magnus
Hirschfeld in verschiedenen Gerichtsverfahren, so z.B. 1908
im berühmten Verfahren gegen Maximilian Harden, als
Gutachter aufzutreten. Der Herausgabe der "Zeitschrift für
Sexualwissen-schaften" zusammen mit Kurt Hiller im Jahr 1908
folgte 1910 die Gründung der "Ärztlichen Gesellschaft für
Sexualwissenschaft und Eugenik" in Berlin. 1919 konnte
Hirschfeld zusammen mit seinem Liebhaber Karl Giese im
ehemaligen Palais des Fürsten Hatzfeld das "Institut für
Sexualwissenschaft" eröffnen. Obwohl der
Sexualwissenschaftler seine eigene Homosexualität in der
Öffentlichkeit zu verbergen suchte, lag doch bereits 1920
bei der Berliner Polizei ein "deutsch-gewissenhaft"
geführtes Dossier über Dr. Magnus Hirschfeld vor. Kein
Wunder also, dass Hirschfeld im Oktober 1920 in München von
rechts-radikalen Antisemiten überfallen und krankenhausreif
geprügelt wurde.
Trotz
massiver äußerer Angriffe und vieler interner Konflikte
wurde Hirschfeld zum Präsidenten der "Weltliga für
Sexualreform" gekürt - ein Erfolg, der ihm die 1929 erfolgte
Abwahl vom Vorsitz des WhK freilich nicht aufwiegen konnte.
In dieser Zeit (1926-1930) fällt auch die Fertigstellung
seines Werkes "Geschlechtskunde", deren fünf Bände zu den
Höhepunkten seines Schaffens zählen.
Durch
den Verlust des WhK-Vorsitzes von vielen Verpflichtungen
frei, konnte Hirschfeld in den folgenden Jahren ausgedehnte
Vortrags- und Forschungsreisen unternehmen. Den Fernen Osten
hat er bereist und seine Forschungen in Palästina und
Ägypten komplettiert. In Frankreich erreichte ihn im Mai
1933 die Nachricht von der Verwüstung des Instituts für
Sexualwissenschaften durch den braunen Mob. Auch der
Restbestand seines Lebenswerkes, der dem Wüten der
NS-Studentenschaft und der Bücherverbren-nung durch die
Nazis entgangen war, konnte nicht original gerettet werden.
Doch
lebt das geistige Vermächtnis des Magnus Hirschfeld, der an
seinem 67. Geburtstag (14.05.1935) im Exil gestorben ist, in
vielen wissenschaftlichen Gruppierungen und sexualkundlich
orientierten Publi-kationen fort.
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