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Im Westen nicht Neues...

 

 

 

So muß der Artikel aus Köln lauten, denn in letzter Zeit ist nicht viel gelaufen. Es gab zwar Rücklauf zu unserem Treffen im Juni aber der bestand eher aus Absagen (unsere positive Adriana: Na, wenigstens sagen alle ab!). Auf diesem Treffen wurde jedenfalls beschlossen beim diesjährigen CSD in Köln nicht mitzulaufen (das erste Mal in sechs Jahren). Dies ist uns zwar nicht leicht gefallen aber ohne Hilfe keine Organisation. Das nächste Treffen wird am 27.07.2001 stattfinden (also nach Erscheinen dieser Aus-gabe) und sich vor allem mit der Gestaltung unserer Homepage und dem gegenseitigen Kennenlernen befassen. Es werden nämlich neue Gesichter und somit vor allem auch neue Ideen erwartet.

Ein wesentlicher Punkt ist auch die Frage, ob sich Yachad Köln unter das Dach des LSVD begibt, der nicht nur finanzielle sondern auch strukturelle Hilfe bieten kann. Jetzt schon befinden sich Gruppen wie Türk-Gay, Eremis (griechische Lesben und Schwule), sowie die Gruppe iranischer Lesben und Schwu-ler unter diesem Dach. Hierzu ist natürlich auch die Meinung anderer Mitglieder und Mitfrauen von Yachad gefragt – stellt dies eine Bereicherung dar oder gibt man ein Stück seiner Unabhängigkeit auf?

Aaron

 

Händchenhalten in der Öffentlichkeit

 

 

 

Händchenhalten in der Öffentlichkeit kommt für Karl-Heinz nicht in Frage: <Ehrlich, da bin ich nicht der Typ für.> Seit 16 Jahren ist der Techniker aus Köln in festen Händen. Doch wenn der 54-Jährige an der Seite seines Lebensgefährten durch die Straßen flaniert, werden nur die wenigsten ein schwules Paar erkennen. <Ich finde das in Ordnung. Das ist mein Privatleben, und das geht nur mich und meinen Partner etwas an.> Wenn am Wochenende in der Domstadt Schwule und Lesben für mehr Rechte und gesellschaftliche Anerkennung auf die Straße gehen, wird Karl-Heinz mit Arbeitskollegen eine Radtour unternehmen: <Der Christopher Street Day ist mir viel zu hektisch. Da sollen sich die Jungen tummeln.> Viele ältere Schwule scheinen das ähnlich zu sehen. Die Kölner CSD-Parade, deutschlandweit die größte Demonstration schwullesbischen Selbstbewusstseins, ist fest in der Hand der jungen Generation. Kaum jemand jenseits der 40 tummelt sich auf den Straßen. Wenn das Haar licht wird und die Muskeln schlapp machen, dann kann auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten in der Kölner Altstadt nicht mehr bestehen. <Ich vermisse das nicht>, beteuert Karl-Heinz. Er sei ohnehin kein Szenegänger: <In meinem Alter kann man sich in vielen der einschlägigen Kneipen nicht mehr sehen lassen.> Der Anblick von hochgestylten, älteren Männer, die mit Bargeld und anderen Geschenken einen attraktiven Begleiter an sich binden, ist Karl-Heinz ein Gräuel. Sein Kommentar: <Unappetitlich.> Und dennoch ist da eine gehörige Portion Ärger: <Dieser Jugendwahn und der Körperkult, das ist alles Klischee. Als ich ein junger Mann war, hatten wir gar nicht das Geld für Designer-Anzüge oder Fitness-Studios.> Damals, in den sechziger Jahre, beherrschten andere Themen die gesellschaftlichen Tagesordnung. Für den absolut unpolitischen Kölner stand ein öffentliches <Coming Out> nie zu Debatte: <Meine Eltern haben bis zu ihrem Tod nichts gewusst und meine Schwester weiß es erst, seitdem ich mal schwerkrank in der Klinik lag.> Für seine Nachbarn sei er wahrscheinlich ein ewiger Junggeselle, erzählt Karl-Heinz und dann berichtet er von Bekannten, die zehn, zwanzig Jahre älter sind. Sie haben noch die Polizei-Razzien in Köln erlebt, die berüchtigten Karteikästen und die Schicksale von Freunden, die die Angst vor öffentlicher Bloßstellung in den Selbstmord getrieben hat. <Da hat die Schwulenbewegung in den vergangenen Jahren sicher einiges bewegt>, räumt Karl-Heinz ein: <Deshalb muss ich aber noch lange nicht jedem auf die Nase binden, mit wem ich die Nacht verbringe.> Doch nicht nur das Verblühen des einstigen Attraktivität setzt älteren Homosexuellen zu: Sie werden auch häufiger Opfer von Straftaten. <Attacken gegen Schwule werden nicht gesondert in der Kriminalstatistik erfasst>, berichtet Wolfgang Beus von der Kölner Polizei. Dennoch weiß die Polizei aus ihren Ermittlungen, dass viele homosexuelle Männer gefährdet sind. <Es kommt es immer wieder vor, dass Jugendliche einzelne Männer überfallen und ausrauben>, berichtet Beus. Ebenfalls berüchtigt ist das <Schwulenklatschen> rechter Gewalttäter. An den wichtigsten Kontaktbörsen im Kölner Stadtgebiet hat die Polizei Notruf-Säulen installiert. Seitdem soll sich die Lage entspannt haben, auch das Schwule Überfalltelefon hat nach Polizeiangaben deutlich weniger Hilferufe registriert. Doch fast noch gefährlicher als Gewalttäter ist die Bedrohung, die aus der Szene kommt. Vor Jahren erschütterte der tödliche Messerstich gegen einen Altstadt-Wirt und Aids-Aktivisten die Kölner Community. Immer noch ungeklärt ist der Mord an einem Verlagsmanager, dem vor einen Jahr eine nächtliche Zufallsbekanntschaft zum Verhängnis wurde. <Ermittlungen im Strichermilieu sind schwierig>, klagt Wolfgang Beus. Die Szene ist anonym und sehr mobil. <Ohne eine Portion Glück geht es nicht.> Die Risiken kennt auch Karl-Heinz: <So schön kann kein Mann sein, dass ich ihn einfach so mit nach oben nehme.> Er ist seinem Freund treu, schon aus Bequemlichkeit: <Ich bin eben ein schwuler Spießer, warum auch nicht ?>

 

copyright: Yachad Deutschland, 2001
 
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