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Händchenhalten in der Öffentlichkeit kommt für Karl-Heinz
nicht in Frage: <Ehrlich, da bin ich nicht der Typ für.>
Seit 16 Jahren ist der Techniker aus Köln in festen Händen.
Doch wenn der 54-Jährige an der Seite seines Lebensgefährten
durch die Straßen flaniert, werden nur die wenigsten ein
schwules Paar erkennen. <Ich finde das in Ordnung. Das ist
mein Privatleben, und das geht nur mich und meinen Partner
etwas an.> Wenn am Wochenende in der Domstadt Schwule und
Lesben für mehr Rechte und gesellschaftliche Anerkennung auf
die Straße gehen, wird Karl-Heinz mit Arbeitskollegen eine
Radtour unternehmen: <Der Christopher Street Day ist mir
viel zu hektisch. Da sollen sich die Jungen tummeln.> Viele
ältere Schwule scheinen das ähnlich zu sehen. Die Kölner
CSD-Parade, deutschlandweit die größte Demonstration
schwullesbischen Selbstbewusstseins, ist fest in der Hand
der jungen Generation. Kaum jemand jenseits der 40 tummelt
sich auf den Straßen. Wenn das Haar licht wird und die
Muskeln schlapp machen, dann kann auf dem Jahrmarkt der
Eitelkeiten in der Kölner Altstadt nicht mehr bestehen. <Ich
vermisse das nicht>, beteuert Karl-Heinz. Er sei ohnehin
kein Szenegänger: <In meinem Alter kann man sich in vielen
der einschlägigen Kneipen nicht mehr sehen lassen.> Der
Anblick von hochgestylten, älteren Männer, die mit Bargeld
und anderen Geschenken einen attraktiven Begleiter an sich
binden, ist Karl-Heinz ein Gräuel. Sein Kommentar:
<Unappetitlich.> Und dennoch ist da eine gehörige Portion
Ärger: <Dieser Jugendwahn und der Körperkult, das ist alles
Klischee. Als ich ein junger Mann war, hatten wir gar nicht
das Geld für Designer-Anzüge oder Fitness-Studios.> Damals,
in den sechziger Jahre, beherrschten andere Themen die
gesellschaftlichen Tagesordnung. Für den absolut
unpolitischen Kölner stand ein öffentliches <Coming Out> nie
zu Debatte: <Meine Eltern haben bis zu ihrem Tod nichts
gewusst und meine Schwester weiß es erst, seitdem ich mal
schwerkrank in der Klinik lag.> Für seine Nachbarn sei er
wahrscheinlich ein ewiger Junggeselle, erzählt Karl-Heinz
und dann berichtet er von Bekannten, die zehn, zwanzig Jahre
älter sind. Sie haben noch die Polizei-Razzien in Köln
erlebt, die berüchtigten Karteikästen und die Schicksale von
Freunden, die die Angst vor öffentlicher Bloßstellung in den
Selbstmord getrieben hat. <Da hat die Schwulenbewegung in
den vergangenen Jahren sicher einiges bewegt>, räumt
Karl-Heinz ein: <Deshalb muss ich aber noch lange nicht
jedem auf die Nase binden, mit wem ich die Nacht verbringe.>
Doch nicht nur das Verblühen des einstigen Attraktivität
setzt älteren Homosexuellen zu: Sie werden auch häufiger
Opfer von Straftaten. <Attacken gegen Schwule werden nicht
gesondert in der Kriminalstatistik erfasst>, berichtet
Wolfgang Beus von der Kölner Polizei. Dennoch weiß die
Polizei aus ihren Ermittlungen, dass viele homosexuelle
Männer gefährdet sind. <Es kommt es immer wieder vor, dass
Jugendliche einzelne Männer überfallen und ausrauben>,
berichtet Beus. Ebenfalls berüchtigt ist das
<Schwulenklatschen> rechter Gewalttäter. An den wichtigsten
Kontaktbörsen im Kölner Stadtgebiet hat die Polizei
Notruf-Säulen installiert. Seitdem soll sich die Lage
entspannt haben, auch das Schwule Überfalltelefon hat nach
Polizeiangaben deutlich weniger Hilferufe registriert. Doch
fast noch gefährlicher als Gewalttäter ist die Bedrohung,
die aus der Szene kommt. Vor Jahren erschütterte der
tödliche Messerstich gegen einen Altstadt-Wirt und
Aids-Aktivisten die Kölner Community. Immer noch ungeklärt
ist der Mord an einem Verlagsmanager, dem vor einen Jahr
eine nächtliche Zufallsbekanntschaft zum Verhängnis wurde.
<Ermittlungen im Strichermilieu sind schwierig>, klagt
Wolfgang Beus. Die Szene ist anonym und sehr mobil. <Ohne
eine Portion Glück geht es nicht.> Die Risiken kennt auch
Karl-Heinz: <So schön kann kein Mann sein, dass ich ihn
einfach so mit nach oben nehme.> Er ist seinem Freund treu,
schon aus Bequemlichkeit: <Ich bin eben ein schwuler
Spießer, warum auch nicht ?>
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