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Kairo

 

 

 

Zwei Menschenrechtsgruppen haben dem ägyptischen Generalstaatsanwalt am Mittwoch vor-geworfen, 52 Männern nur wegen ihrer sexuellen Orientierung den Prozess zu machen. Die Männer waren im Mai auf einem Schiff auf dem Nil
festgenommen worden, das als Treffpunkt für Ho-mosexuelle bekannt ist. Ihnen wird unter anderem "abweichendes sexuelles Verhalten" vorgeworfen. Die Gruppen Human Rights Watch und International
Gay and Lesbian Human Rights Commission kriti-sierten den Prozess, der am 18. Juli beginnen soll.
Im ägyptischen Recht findet sich kein explizites Verbot homosexueller Handlungen. In den
ägyptischen Medien wird das Verfahren als
Homosexuellen-Prozess bezeichnet. Den Männern drohen bei einer Verurteilung bis zu fünf Jahre
Haft.

 

Hannover

 

 

 

Schwule Jugendliche verbergen ihre Homosexualität häufig vor den eigenen Eltern oder werden von ihren Vätern nicht akzeptiert. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Studie zur Lebenssituation schwuler Jugendlicher, für die das niedersächsische Sozialministerium bundesweit 353 junge Männer befragen ließ. Beim Coming-Out litten schwule Jugendliche oft an Identitätsproblemen und hätten Selbstmordgedanken, sagte am Mittwoch in Hanno-ver Schwulenreferent Hans Hengelein. Für die Stu-die stellte die Schwul-Lesbische Forschungsgruppe
München jungen Männern im Alter zwischen 15 und 25 Jahren 96 Fragen, die auch anonym via Internet beantwortet werden konnten. Nach Angaben von Ulrich Biechele von der Forschungsgruppe reagier-ten die Befragten auf das Bewusstwerden der eige-nen Homosexualität vor allem mit Zukunftsangst (43 Prozent) und Furcht (38 Prozent. Nur bei einer Min-derheit löste das eigene Coming-Out mit Stolz (22 Prozent) oder Glück (26 Prozent) aus. Drei Viertel
aller Befragten beschäftigten sich in dieser Zeit mit
Selbstmordgedanken, 8,7 Prozent versuchten tat-sächlich, sich das Leben zu nehmen. Vom ersten Gedanken schwul zu sein, der im statistischen
Durchschnitt den Befragten im Alter von 13,4 Jahren kam, vergingen über drei Jahre bis zur Gewissheit über die eigenen Homosexualität und dann weitere 1 _ Jahre bis zum ersten Gespräch über das eigene Schwulsein. Von ihrer Umgebung fühlten sich die befragten Jugendlichen in der Regel akzeptiert. Bei jeweils über 85 Prozent der Freundinnen, Freunde und Schwestern und knapp 75 Prozent der
Brüder stieß die Homosexualität spontan auf Ak-zeptanz. Schwer tun sich allerdings weiter Eltern mit der Homosexualität ihrer Söhne. Fast die Hälfte der Befragten hielt die Homosexualität vor dem eigenen Vater geheim. Wer sich dem Vater offenbarte, stieß
anschließend fast in der Hälfte der Fälle auf Ableh-nung. Die Mütter erfahren häufiger von der Homo-

Sexualität des eigenen Sohnes und sind auch etwas toleranter. Immerhin 43 Prozent der Befragten gaben an, ihre Mutter habe ihr Schwulsein spontan akzeptiert. Etwa jeder zweite schwule Jugendliche verheimlicht einer Studie zufolge seine Homosexua-lität vor dem eigenen Vater. «Ein weiteres Viertel wird vom Vater abgelehnt», sagte Ulrich Biechele von der Schwul-Lesbischen Forschungsgruppe München am Mittwoch in Hannover. Biechele war vom niedersächsischen Sozialministerium mit
der nach eigenen Angaben bundesweit ersten Stu-die zur Lebenssituation schwuler Jugendlicher be-auftragt worden. Etwa drei bis vier Prozent eines Jahrgangs hätten eine «schwule Identität», so der Forscher. Eine erste Ahnung von ihrer Homosexua-lität komme bei den Jungen mit etwa 13 oder 14 Jahren auf. Aber erst mit 18 oder 19 teilten sie es anderen mit. Ein Drittel der Jungen sei in der Schule zur Zielscheibe von Witzen geworden. Drei Viertel der befragten schwulen Jugendlichen gaben an, schon einmal an Selbstmord gedacht zu haben. Nach der Befragung von 353 Jugendlichen zwi-schen 15 und 25 Jahren über Fragebögen oder das
Internet hat jeder Zwölfte bereits einen Selbstmord-versuch hinter sich und jeder Vierte psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Den ersten festen Freund hätten schwule Jugendliche erst mit im
Durchschnitt 19,3 Jahren gegenüber 16,8 Jahren bei Heterosexuellen. Sexuelle Erfahrungen machten sie mit 16 oder 17 Jahren, oft mit älteren Schwulen. Viele Jungen sehnen sich laut Biechele nach einer
festen Beziehung. Doch sei es für «schwule Schüler oft nicht möglich, in Schule, Ausbildung und Familie einen Lebenspartner zu haben.»

 

New York

 

 

 

Heftige Kritik an der Teilnahme einer Vertreterin von Lesben und Schwulen an der Aids-Sonderkonferenz der Vereinten Nationen in New York übten elf islamische Länder. Sie weigerten sich am ersten Tag, mit ihr über die Bekämpfung und die Folgen der Immunschwächekrankheit zu diskutieren. Schließlich einigten sich 62 Mitglieds-staaten nach hitziger Debatte auf einen Kompro-missvorschlag Kanadas, eine Vertreterin an einem der vier Runden Tische zu beteiligen. Die islamischen Länder boykottierten die Abstimmung. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, Aids könne nicht mit „moralischen Verurteilungen“ bekämpft werden.

 

copyright: Yachad Deutschland, 2001
 
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