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Tief beeindruckt
schienen sie alle bei der Eröffnung, der Kanzler, der Bundespräsident,
der Regierende Bürgermeister, mehrere Minister und nicht zuletzt Iris
Berben. Ob positiv gestimmt, war im griesgrämigen Gesichtsausdruck und
Gebrumme von Henry Kissinger , wie immer in den letzten 30 Jahren, nicht
auszumachen und Marcel Reich-Ranicki befürchtete vor dem Rundgang durch
die Ausstellung, die Literatur könnte womöglich zu kurz gekommen sein.
Querelen gab es im Vorfeld zur Genüge. Als Teil eines Berliner
Stadtmuseums geplant, bestand der für die Direktorenstelle des im Bau
befindlichen Libeskind Entwurfs bestimmte Amnon Barzel auf
Eigenständigkeit. Er musste gehen. Doch die Autonomie ist nicht
aufzuhalten und im Dezember 1997 wird W. Michael Blumenthal als Direktor
des Jüdischen Museums Berlin berufen. Der Libeskind Bau - im Januar 1999
fertiggestellt und wegen Fehlens jeglicher Symmetrie, als
`dekonstruktivistisch´ bezeichnet - wird Besuchern zur Besichtigung
freigegeben. 350.000 Besucher lassen sich allein von der Architektur des
leeren Gebäudes fesseln. Kritiker sehen das Ganze als Kunstwerk, das
Ausstellungen nicht zulässt. Nach der Präsentation des Ausgestellten,
bemängelt dann die Kritik, dass eben dieses die Architektur überdeckt!
Julius Schoeps beklagt den Titel „Zweitausend Jahre deutsch-jüdische
Geschichte“ weil es zwar eine 2ooo Jahre alte jüdische - nicht aber eine
2000 Jahre alte deutsche Geschichte gibt! Und solche, die sich das Ganze
mehr weihevoll gewünscht hätten - wir sind schließlich in Deutschland -
beschimpfen ´das absurd Aufgeblasene der Einweihungszeremonie am Sonntag
Abend.´
In
einer Annonce Anfang 2000 in der Allgemeinen Jüdischen
Wochenzeitung suchte das Museum nach Bildern, Dokumenten und
Gegenständen, die vom jüdischen Leben in der Zeit von 1945
bis heute zeugten. Ich schrieb hin, bot an eigene Dokumente
und Pässe der Eltern aus der Nazizeit. Die überraschende
Antwort war eine Einladung zum Tag der Erinnerung am 10.
September zur Ehrung der Stifter und Leihgeber! Über die
Ausstellung selbst ist in Broschüren und Zeitungsartikeln
nachzulesen. In mehreren Etagen Exponate, die die 2000 Jahre
jüdischer Geschichte illustrieren - in einer Glasvitrine zum
Schluss auch eine Kopie von „Mir Saijnen do“! Es gibt viel
zu bestaunen, zu lesen, an Monitoren zu spielen. Als seien
fünf Stunden auf den Beinen nicht genug - in keinem Museum
habe ich das vorher je geschafft! - nach der Besichtigung
noch schnell was zu Essen heruntergekippt, und zurück, um in
einem Konzert Constance Hauman mit Liedern von Weill,
Eisler, Holländer, Benatzky und anderen anzuhören!
„Dekonstruktivismus“ hin- oder her, das beweist, welche
Ausstrahlung von dem Bau und seinem Inhalt ausgeht. Er wird
Veränderung schaffen, Nichtjuden die Bedeutung des Judentums
in Deutschland aufzeigen und Juden daran erinnern, dass mehr
daran war und ist, als die Shoa. Rückwärts gewandte jüdische
Gemeinden - je südlicher in der Republik, desto
rückgewandter, wie es scheint - Oh bitte noch ein Gedenktag!
- werden ihre Aufgabe neu überdenken müssen - ´Und das ist
gut so!`
Harry
Raymon
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