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RELIGION 10-2003
Rosh HaShana
Im Gegensatz zu den anderen wichtigen jüdischen
Festen, sind die Hohen Feiertage, die Jamim Noraim
(Furchtbaren Tage, Gewaltigen Tage, Tage der Ehrfurcht),
und es ist kein Zufall, dass, in der einen oder anderen Weise,
buchstäblich jede Jüdin und jeder Jude an Rosh HaShana und Jom
Kippur teilnimmt. Denn die Bedeutsamkeit der Feiertage des
Monats Tischri ist so tief, dass sie jede jüdische Seele
anrührt, ungeachtet des Wissens jedes Einzelnen oder seiner
Verpflichtung gegenüber dem Judentum. Tischri ist der
gehaltvollste Monat des jüdischen Kalenders. Von Rosh HaShana,
an dem die Jamim Noraim beginnen, über Sukkot und Simchat Tora,
der Zeit unserer Freude, machen diese Feiertage den Ton aus, der
das gesamte kommende Jahr bestimmt. Das Buch des Lebens. Am
ersten Abend von Rosh HaShana, nach dem Gttesdienst, sagen wir
zueinander den traditionellen Segensspruch: Mögest Du
eingeschrieben und besiegelt sein, für ein gutes Jahr! Unsere
Weisen erklären, dass wir alle an Rosh HaShana vor Gtt vor
Gericht stehen wie eine Schafherde vor ihrem Hirten. Wenn wir
es wert sind, werden wir in das Buch des Lebens eingetragen.
Zehn Tage später, an Jom Kippur, wird das Buch versiegelt. Durch
Reue, Gebet und Wohltätigkeit, können wir den Beschluß abmildern
und Gttes Segen für Gesundheit, Wohlbefinden und Wohlstand für
das kommende Jahr verdienen. Rosh HaShana ist der Tag, an dem
Gtt die Erschaffung der Welt vollendet hat, indem er Adam
schuf, den ersten Menschen. Adams erste Tat war, den
Allmächtigen als König des Universums zu proklamieren. Er rief
zu den Kreaturen: "Kommt, laßt uns ehren, laßt uns niederbeugen
und niederknien vor G't unserem Schöpfer. Jedes Rosh HaShana
proklamieren auch wir das Königtum Gttes und erneuern unsere
Verpflichtung ihm gut zu dienen. So wie Gtt an dem
ursprünglichen Rosh HaShana die Welt zum ersten mal schuf, so
überdenkt und schätzt ER die Qualität unserer Beziehung zu ihm
neu ein, und ebenso erschafft er die Welt neu.
Das
Shofar
An beiden Tagen von Rosh HaShana hören wir
tagsüber den Klang von zumindest den ersten dreißig
vorgeschriebenen Tönen des Shofarblasens. Das Shofar, ein
Widderhorn, das älteste und seelenvollste aller Blasinstrumente,
hat viele Bedeutungen. Es verkündet u.a. die Krönung Gttes als
König des Universums, es weckt uns auf um Reue zu empfinden und
zu Gtt zurückzukehren (Teschuwa). Es erinnert uns an das Shofar,
das am Berg Sinai gehört wurde, als wir die Gebote Gttes für
alle Zeiten akzeptierten, das Shofar repräsentiert den einfachen
ursprünglichen Schrei aus der Tiefe der Seele, es nimmt den Ruf
des großen Shofar vorweg, den Gtt ertönen lassen wird, wenn
Moshiach kommt. Der uns aus dem Exil in unser Heiliges Land
führen wird schnell noch in diesen Tagen.
Tashlich
Am ersten Tag von Rosh HaShana, nach dem
Nachmittagsgebet, gehen wir an ein fließendes Gewässer, in dem
Fische leben, und sprechen das Tashlich-Gebet, in dem wir unsere
Sünden wegwerfen; symbolisch wirft man Brotkrummen anstelle der
Sünden ins Wasser. So wie die Fische vom Wasser abhängig sind,
so sind wir auf Gttes Fürsorge angewiesen. Und da sich
Fischaugen niemals schließen, symbolisieren sie Gttes
ununterbrochene Wachsamkeit über uns.
Speisen zu Rosh HaShana
Es ist üblich, zu Rosh HaShana Speisen zu essen,
die Süße, Segen und Überfluß symbolisieren. Wir tauchen die
Challe in Honig und danach, in der ersten Nacht, essen wir ein
Stück Apfel, das ebenfalls in Honig getaucht wird. Nach dem
Segensspruch über den Apfel fügen wir hinzu: Möge es dein Wille
sein, für uns ein gutes und süßes Jahr zu erneuern. Andere
Gebräuche sehen vor, dass man den Kopf eines Fisches ißt,
Granatäpfel und Karotten.
Jom Kippur
Obwohl die Jamim Noraim, die Tage der Ehrfurcht,
ernste Tage sind, so sind sie doch nicht traurig. Tatsächlich
ist Jom Kippur, in einer sehr bescheidenen Art, einer der
fröhlichsten Tage des Jahres. Denn an Jom Kippur erhalten wir
das, was vielleicht Gttes größtes Geschenk ist: Seine
Vergebung. Wenn eine Person einer anderen verzeiht, dann
geschieht das aus einem Gefühl der Freundschaft und der Liebe,
dass alles, was falsch gemacht worden ist, überstrahlt. Obwohl
wir SEINEN Willen übertreten haben mögen, bleibt unser
Wesentlichstes, unsere Seele rein. Jom Kippur ist der eine Tag
des Jahres, an dem Gtt uns ganz deutlich offenbart, dass unsere
und seine Existenz eins sind. Ja, mehr noch. Auf der Ebene der
Seele ist das jüdische Volk gänzlich gleich und unteilbar. Je
mehr wir unsere besondere Einheit durch Taten die Liebe und
Freundschaft untereinander unter Beweis stellen, desto mehr wird
Gttes Liebe uns offenbart.
Der
Abend von Jom Kippur
Am Vortag von Jom Kippur nehmen wir ein
festliches Mahl zu uns, um Glauben und Vertrauen in Gttes Gnade
zu demonstrieren. Eine andere wundervolle Gewohnheit ist es,
dass Eltern ihre Kinder mit der priesterlichen Weihe segnen:
"Möge G'tt dich segnen und beschützen... Möge Gtt sein Antlitz
über dich scheinen lassen und dir wohl gesonnen sein...Möge Gtt
dir sein Angesicht zuwenden und dir Frieden schenken... Jom
Kippur sühnt die Sünden wider Gtt, aber nicht das Fehlverhalten
unter Menschen. Daher ist es am Vortag wichtig, sich zu
entschuldigen und von seinen Freunden und Verwandten Vergebung
zu erbitten. Um gekränkte Gefühle, die entstanden sein mögen, zu
heilen.
Fünf
Verbote
Zusätzlich zum Arbeitsverbot sind fünf weitere
Tätigkeiten an Jom Kippur untersagt: Essen und Trinken,
Waschungen (zum Vergnügen), das Benutzen von Lotionen und
Parfüms, Geschlechtsverkehr und das Tragen von Lederschuhen.
Ein
Tag des Gebets
An Jom Kippur sind wir von allen materiellen
Dingen befreit und können diesen Tag ganz dem Gebet widmen. Wir
beginnen das Abendgebet mit dem Gesang des Kol Nidre, das uns
von jeglichen Schwüren befreit, die wir im kommenden Jahr
begehen könnten. Während eines jeden Hauptgebetes an Jom Kippur
sprechen wir das Vidui. Das Bekenntnis, in dem wir alle unsere
Sünden, die wir begangen haben könnten, aufzählen und in dem wir
Gtt um Verzeihung bitten. Das Schlußgebet des Tages, wenn unser
Urteil für das kommende Jahr besiegelt wird, ist das Neila. Es
ist dies das einzige Gebet während des ganzen Jahres, an dem der
Toraschrein von Anfang bis Ende offen bleibt. Das bezeichnet,
das die Tore im Himmel während des Gebetes für uns weit offen
stehen. Neila findet seinen Höhepunkt im Schma Israel und
anderen Gebeten und Versen, die unisono gesprochen werden sowie
mit dem letzten Shofarblasen.
Sukkot
In Israel und den meisten liberalen Gemeinden der
Galut (Diaspora), wird nur der erste Tag von Sukkot als Jom tow
gefeiert. Es ist ein schon in der Tora erwähntes Fest am
Abschluss der Erntesaison und eines der drei Wallfahrtsfeste (Shlosha
Regalim), die mit einem Aufstieg zum Tempel in Jerusalem
begangen wurden.
An Sukkot
sollte sich jeder in Erinnerung rufen, daß es einmal eine Zeit
gab, als Israel ein besitzloses Nomadenvolk in der Wüste war und
keinen Ernteertrag hatte. Dies soll den Menschen zu verstärktem
Dank und Anerkennung für die Gaben G'ttes bringen. Deswegen
wurde die Errichtung einer Sukka - einer "Laubhütte" angeordnet
mit dem biblischen Gebot, während des Erntedankfestes in die der
Hütte zu wohnen.
HaSukka
Die Sukka (die Hütte) darf kein beständiger Bau
sein, sie soll an die notdürftigen Behausungen des Übergangs des
Volkes Israel während der Wanderung in der Midbar Sinaj
erinnern. Die Wände können aus jedem Material (Holz, Zeltplane,
gespannte Decken etc.) bestehen, die Bedachung jedoch nur aus
Laub und dies nur so dicht bzw. undicht, dass man ein wenig
durchblicken und den Himmel sehen kann.
Schemini Azeret
Der Achte (Schmini) zum Abschluß (Azereth), das
ist der 8.Tag von Sukkot (in der Diaspora auch der 9.Tag) ist
ein Feiertag für sich und beginnt auch wieder am Vorabend. Er
hat keine besonderen Zeremonien oder Rituale. Er wird jedoch wie
jeder Feiertag begrüßt mit Festlichtern, Kidusch Schehechäjanu.
Es gilt das Ruhegebot für Jom tow. Das Musaf (Zusatzgebet)
enthält die Tfilath haGeschem, eine besondere Bitte um Regen.
Etliche Gemeinden halten ein Jiskor, eine Totengedenkfeier.
Simchat Tora
Am Abend des Schmini Azeret beginnt Simchat Tora,
das Fest der Torafreude. Dieses wird erst seit dem 9.
Jahrhundert (allg.Z.) explizit gefeiert. Seit jeher findet zu
diesem Zeitpunkt jedoch der jährliche Zyklus der Paraschoth, der
wöchentlichen Toralesungen, seinen Abschluß. Simchat Tora folgt
direkt auf Schmini Azeret, d.h. ein Feiertag folgt dem nächsten.
Beim Lichtzünden wird deshalb Feuer von einer bereits
vorhandenen Flamme genommen - nach Einbruch der Dunkelheit, denn
an Feiertagen ist es nicht erlaubt neue Flammen zu erzeugen.
Zur Feier des Tages werden
bereits am Erew Simchat Tora alle vorhandenen Torarollen, aus
dem "Aron haKodesh" herausgehoben und unter Tanz und Gesang
finden sieben Umzüge statt. An diesen Hakofoth nehmen auch die
Kinder teil, anstelle der Torarollen tragen sie Fähnchen mit
Abbildungen der Tora. Am Morgen des Simchat Tora werden die
Umzüge wiederholt. Anschließend findet die feierliche Beendigung
der Toralesung (diese ehrenvolle Aufgabe nimmt der zur Lesung
aufgerufene Chatan Tora "Bräutigam der Tora" wahr, und
gleichzeitig der Neubeginn der Lesung (diese ehrenvolle Aufgabe
nimmt der zur Lesung aufgerufene Chatan Berschith "Bräutigam am
Anfang" wahr) mit dem 1. Buch der Torah statt.
Durch die Zuweisung der
Funktion der Chatanim ist es der Gemeinde möglich einzelne
Mitglieder in besonderer Weise Ehre zu erweisen, grundsätzlich
wird an diesem Tage aber jeder am G'ttesdienst teilnehmende Mann
zur Toralesung aufgerufen! Ebenso werden alle Kinder unter dem
Bar Mizvah-Alter gemeinsam zur Toralesung aufgerufen, dies unter
der Aufsicht eines Erwachsenen, der die Ehre hat Chatan kol
haNe'arim ("Bräutigam aller Jugend") zu sein. Er beschenkt die
Kinder anschließend mit Süßigkeiten und soll ihre Liebe zur Tora
fördern. Die drei Chatanim bewirten anschließend die gesamte
Gemeinde, falls dazu nicht die Gemeinde insgesamt einlädt.
Nach
der Feier geht man zu Kiddush und Mittagstisch, am Abend, d.h.
nach Einbruch der Dunkelheit wird die "Festwoche" durch die "Hawdalah"
abgeschlossen.
In
Israel und den meisten liberalen Gemeinden der Galut, werden
Schmini Azeret und Simchat Tora als ein Feiertag begangen.
Bereits am Abend des letzten Halbfeiertages (Hoshana raba)
finden Toraumzüge mit Gesang und Tanz statt. Am Morgen des
22.Tischri (in der Galut Schemini Azeret) wird dann die Tfilath
haGeschem als auch der Jiskor abgehalten und direkt anschließend
beginnen die sieben Hakafoth mit den Torarollen. Besonders in
Israel hat es sich eingebürgert die Feiern mit musikalischen
Darbietungen zu krönen. Zur Hawdalah finden Hakafoth häufig im
Freien statt. In den Höfen der Synagogen und auf größeren
Plätzen spielen Kapellen, es wird zu Tanz und Gesang gebeten.
msd39 sept/okt 2003 |