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INTERNATIONAL NEWS 10-2003

Peking - In China werden homosexuelle Partnerschaften auch künftig nicht der Ehe gleichgestellt. Das geht aus dem neuen Eherecht hervor, das am 1. Oktober in Kraft tritt, wie der britische Rundfunk BBC meldete.

Nach den neuen Bestimmungen benötigen Paare vor einer Eheschließung nicht mehr die Erlaubnis ihrer Arbeitgeber; auch wird das
Scheidungs-Verfahren vereinfacht. - Homosexualität wird in China immer noch im Verborgenen gehalten. Bis 2001 standen gleichgeschlechtliche Neigungen auf der Liste psychischer Krankheiten.

Washington - Die Mehrheit der US-Bürger lehnt die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der traditionellen Ehe ab.

52 Prozent sprachen sich in einer Umfrage des ICR (International Communications Research of Media) sogar für ein gesetzliches Verbot so genannter Homo-Ehen aus. Eine Ehe könne nur als Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert werden, so das Votum. Derzeit werden in mehreren US-Bundesstaaten Gesetzentwürfe zur Gleichstellung homosexueller Partnerschaften diskutiert.

Rio de Janeiro - Ein eigenes Programm für Homosexuelle strahlt der brasilianische TV-Sender Canal 21 ab September aus. Die wöchentliche Sendung <Planeta G> (<Planet G>) widme sich unter anderem Themen wie Gesundheit, Arbeit, Mode, behandele aber auch spezielle Rechtsfragen für Homosexuelle, sagte die Journalistin Beth Balboni, die das Format entwickelte.

Auch Unterhaltung komme nicht zu kurz. Klamauk oder Witze über Homosexuelle hätten in der Sendung dagegen keinen Platz. Der dem Jugendschutz geschuldete Sendeplatz zwischen 02.00 und 02. 30 Uhr morgens dürfte allerdings kaum dazu beitragen, dass die Sendung zum Quotenzugpferd für den Sender wird.

Reykjavik - Trotz strömenden Regens haben in Island Zehntausende von Menschen das fünfte <Gay Pride>-Festival in der Hauptstadt Reykjavik besucht.

Mit einer Parade durch die Altstadt zog der Isländische Lesben- und Schwulenverband Samtokin über 30.000 Zuschauer an - bei einer Bevölkerung von nur 280.000 in ganz Island. Zahlreiche Touristen kamen, um das nördlichste aller Homosexuellen-Feste weltweit zu sehen. Bei der ersten Veranstaltung vor fünf Jahren waren nur die 300 Teilnehmer erschienen. Island zählt bezüglich der Rechte von Schwulen und Lesben zu den fortschrittlichsten Staaten der Welt: Schon seit 1996 dürfen homosexuelle Paare standesamtlich heiraten. Samtokin kämpft jetzt für kämpft jetzt das Recht auf Adoption und künstliche Befruchtung.

New York – Der US-Fernsehsender HBO hat eine Dokumentation über Adolf Hitler drehen lassen. Dieser geht dem Verdacht nach, der Nazi-Diktator sei homosexuell gewesen. Die 75-Minuten-Dokumentation basiert auf der umstrittenen Biografie Hitlers Geheimnis des deutschen Historikers Lothar Machtan. Sie soll 2004 unter dem Titel The Pink Fuhrer (Der rosarote Führer) oder Is Hitler Gay? (Ist Hitler schwul?) gesendet werden, wie der Hollywood Reporter berichtete. Der Beitrag enthält Interviews mit Machtan und anderen bekannten Historikern. Er zeigt Aufnahmen aus den Städten, in denen Hitler seine ersten Jahrzehnte verbrachte, darunter auch Linz in Österreich.

Machtan hatte seine These von Hitlers Homosexualität auf Augenzeugenberichte über die ersten Beziehungen des späteren Führers zur Zeit des Ersten Weltkriegs und danach gestützt. Machtan schreibt, Hitler habe einen hochrangigen Gefolgsmann ermorden lassen, weil dieser ihn mit der Drohung erpressen wollte, seine sexuellen Neigungen ans Tageslicht zu bringen. Ausserdem habe Hitler so scharf gegen Homosexuelle durchgegriffen, um jeden Zweifel an seiner eigenen Orientierung auszuschliessen.

Eine auf 49 Minuten gekürzte Version des Dokumentationsmaterials war bereits im November in Grossbritannien gesendet worden. Produzent der HBO-Sendung ist das Studio World of Wonder in Los Angeles, das für HBO unter anderem die Dokumentation Monica in Black and White über Monica Lewinsky, die frühere Praktikantin im Weissen Haus, gedreht hatte.

Minneapolis - Zur Nachhilfestunde in Sachen jüngerer Geschichte könnte die geplante Ausstellung zum Holocaust an schwulen und lesbischen Deutschen und Polen für den republikanischen Abgeordneten Arlon Lindner im US-Bundesstaat Minnesota werden.

Lindner hatte sich im März bei einer Debatte um die Verabschiedung zweier Anträge, die Schwulen und Lesben mehr Rechte einräumen sollten, ziemlich realitätsfremd gezeigt. Er bezichtigte Schwule und Lesben seinerzeit, die Verfolgung und Ermordung Homosexueller in den Konzentrationslagern der Nazis nur erfunden zu haben, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Das hat niemals stattgefunden", sagte Lindner in einer Rede vor dem Repräsentantenhaus bezogen auf die Verfolgung und Vernichtung Homosexueller durch die Nationalsozialisten. "Zur Zeit des zweiten Weltkrieges war ich ein Kind und ich habe viel über den zweiten Weltkrieg gelesen. Aber erst seit kurzer Zeit herrscht die Auffassung, dass Homosexuelle in diesem Maße verfolgt wurden. Da wurde die Geschichte häufig umgeschrieben."

Mit dieser Meinung sorgte der Abgeordnete für großes Aufsehen, aber es war nicht möglich ihn auf legale Weise zum Schweigen zu bringen. Statt dessen bekam er eine Einladung des National Holocaust Museums in Washington, die er jedoch ablehnte. Dabei ist die Präsentation selbst schon sehr Aufsehen erregend. Es ist die erste englischsprachige Ausstellung zu dem Thema. Zwei Jahre dauerte die Planung. Es wird Material aus über 40 internationalen Museen und Archiven zu sehen sein. Das gezeigte Material dokumentiert die Schwulenverfolgung während des Dritten Reiches. Zwischen 1933 und 1945 wurden ungefähr 100.000 Männer wegen Homosexualität verhaftet. Die Hälfte davon wurde auch verurteilt. Meistens wanderten sie ins Gefängnis. Etwa 10.000 schwule Männer wurden in Konzentrationslager verschleppt und getötet.
Wenn die Ausstellung am 4. August in Minneapolis, Minnesota seine Pforten öffnet, wird Rep. Arlon Lindner trotz persönlicher Einladung wahrscheinlich nicht anwesend sein. Dabei täte ein Besuch ihm sicherlich gut. Ben

msd39 sept/okt 2003

 
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