Brothers and others in Arms
The making of Love and War in Israeli combat units.

Schwule Soldaten Schwule Juden
Homosexualität in der israelischen Armee
In diesen Tagen sind sie oft zu sehen, ob in
der Zeitung oder im Fernsehen: junge Männer und Frauen der
israelischen Armee. In den Medien oft als Aggressoren und
Unterdrücker gegen Palästinenser gebrandmarkt, werden nur selten
die wahren Hintergründe ihres Einsatzes benannt. Der Autor,
Danny Kaplan, erzählt in seinem Buch eine Geschichte schwuler
Soldaten aus Israel. Schwule und bisexuelle Männer berichten
über Lebens- und Todessituationen während ihres Kampfes gegen
die Hisbollah, gegen palästinensische Terroristen und in der
Konfrontation mit palästinensischen Zivilisten. Während sie
sprechen, berichten die Soldaten recht bald über ihre eigene
Identität.
Ausgehend von diesen Geschichten analysiert
Danny Kaplan das kulturelle und sexuelle Leben in den Israel
Defence Forces (IDF). Wie wird zionistische Solidarität zu einem
zionistischen Zusammenhalt? Wie werden aus Brüdern im Kampf,
Brüder im Bett? Der Autor diskutiert, wie Homosexualität den
persönlichen Einsatz in Militäreinheiten und Manövern verstärkt.
Er beschreibt, wie das Militär auf Homoerotik basiert und
dennoch Homosexualität ausschließt. Des Weiteren wird ein
kleiner Einblick in das israelische Antidiskriminierungsgesetz
für die IDF gegeben eines der fortschrittlichsten auf der
Welt!
Mit diesem Text lud die Hamburger Initiative
Solidarität mit Israel zu einem Vortrag mit Danny Kaplan, einem
Doktoranden der israelischen Ben Gurion Universität in Beer
Sheva ein. Danny Kaplan ist Autor des Buches: David, Jonathan,
and Other Soldiers. Identity, Masculinity and Sexuality in
Combat Units of the Israel Defence Forces welches vor
zweieinhalb Jahren in Israel auf Hebräisch erschienen ist und
verschiedene Diskussionen in der israelischen Gesellschaft
ausgelöst hat. Um die kürzlich auf Englisch erschienene und neu
bearbeitete Ausgabe seines Buches zu präsentieren, kam der Autor
ins Hamburger Schwulenzentrum Hein & Fiete.
Vor einem sehr interessierten Publikum erklärte Herr Kaplan den
Aufbau der israelischen Streitkräfte und ihre besondere
Bedeutung für die israelische Gesellschaft. Für die Integration
der vielen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen leistet die IDF
einen zentralen Beitrag. Kaplan spricht in diesem Zusammenhang
vom Eintritt in die Armee als zweite Bar/Bat Mitzwah. Aufgrund
der Integrationsfunktion auf die vielen unterschiedlichen
Bevölkerungsgruppen und die Weitergabe von zionistischen Werten
bezeichnete der Autor den Dienst in der Zahal als zweite Bar/Bat
Mitzwah.
Der Umstand, dass Jugendliche nach der Schule für drei bzw. fast
zwei Jahre in einem militärischen und mit aus allen Teilen der
Gesellschaft besetzten Apparat arbeiten, führe dazu, dass diese
Zeit zu einer großen Identifikation mit der Armee, dem Staat,
und der Notwendigkeit diesen zu verteidigen führe.
Das Zusammensein in einer oftmals geschlechtshomogenen Gruppe
führt, so Kaplan, zu einer Machokultur und einer
maskulinisierten und damit homophoben Sprache. Es sei heute
nicht mehr möglich den Militärslang aus der hebräischen
Alttagssprache wegzudenken. Wie verhalten sich also Schwule in
einem solchen Umfeld? Kaplan griff bei dieser Frage auf eines
der im Buch präsentierten Interviews zurück.
Wir gingen alle in die gleiche Dusche, und dann haben wir einen
Pisswettbewerb gemacht und wenn du jemanden umwerfen konntest
haben alle auf ihn gepinkelt. (lacht) Wir schliefen alle im
gleichen Bett. Oft bist du in Situationen wo du, aber nicht so
wie bei Schwuchteln oder so, die anderen umarmst, wir bissen uns
auch manchmal.
. Die Geschichten über uns Typen hören sich
komisch an, ich kann nicht einmal sagen was wir uns dabei
dachten. Du als Beobachter würdest eine Menge Dinge sehen, die
du vermutlich Scheiße finden würdest. So wie, dass wir alle in
einem Bett schliefen, ohne Kleidung und natürlich immer nackt.
Du würdest die Tür öffnen und drei nackte Typen in einem Bett
sehen. Was würdest Du dann denken? (Aus einem Interview mit
Benny/ Soldat in Reserve)
Nähe und Emotionen seien wie in allen Armeen nur in
Extremsituationen zugelassen. Am eindrucksvoll traurigen
Beispiel einer Beerdigung eines gefallenen Soldaten beschrieb
der Autor zudem, wie die Beerdigung eines Kameraden, einem
jungen Soldaten, zur ersehnten Nähe zu seinem Freund aus seiner
Einheit führt. Homosexualität sei omnipräsent in der Armee, zum
einen als etwas, das in negativer Form thematisiert wird wie
auch in den Handlungen zwischen den einzelnen Soldaten und bei
Initiationsritualen für neue Rekruten.
Das Interesse an der Hamburger Veranstaltung, war trotz des
ungünstigen Termins (Erew Pessach) und dem doch für viele
Menschen sehr speziellen Thema groß. Das Buch welches in jedem
Buchladen bestellt werden kann, kann auch betrachtet werden als
inhaltliche Ergänzung zu dem Film Jossi und Jagger welcher in
Kürze in den deutschen Kinos anlaufen wird.
Danny Kaplan: Brothers
and others in Arms The making of Love and War in
Israeli combat units, Harrington Park Press, ISBN 1-56023-365-6
Preis ca. 25 Euro
Stefan Hensel und Claudia Bering |